Donnerstag, März 20th, 2008 | Author: Meg

Ich war 8 Jahre alt, als der Ernst des meines Lebens begann: immerhin war ich nun eine Anwärterin auf den Leib eines 33-jährigen, langhaarigen Mannes.Ich war eine Leseratte, wie sie im Buche stand, verschlang ein Buch nach dem anderen und war das liebste Kind in der Familie (Tanten, Onkel und Großeltern eingeschlossen), denn es war sehr einfach mich glücklich zu machen: Bücher schenken.
Zu Weihnachten, Ostern, Geburtstag, intenat. Kindertag - ich ließ keinen Feiertag aus, um mir Bücher zu wünschen und besaß im Alter von 12 Jahren eine kleine Bibliothek, die ca. 250 Bücher umfasste. Ja, ich führte sogar Buch über diese Bücher, denn ich verlieh sie und achtete penibelst darauf, dass ich sie rechtzeitig zurückbekam.

Doch nun sah ich mich einer verdammt großen Herausforderung gegenüber. Mein Wortschatz mag damals für eine 8-jährige recht umfangreich gewesen zu sein, doch schien er in Anbetracht dieser Lektüre infantil. Man legte mir die Bibel und den Katechismus in die Hand. Das war hart.
Doch das Ziel lautete: Prüfung bestehen, zur Kommunion gehen und endlich den Leib Christi legal empfangen, denn: bevor ich überhaupt zur Kommunion zugelassen wurde, hatte ich bereits gar schrecklich gesündigt: ich hatte mich - jedes Mal, wenn wir in einer anderen Kirche als der „heimischen” zum Gottesdienst gingen - nach vorne geschlichen und habe die Kommunion entgegengenommen.


Nun, ich sah für mein Alter recht reif aus und war mir - zu meiner eigenen Schande - der großen Sünde sehr bewusst. Nächtelang lag ich wach und grübelte darüber, wie ich das bei meiner ersten Beichte dem Pfarrer reumütig vor die Füße werfen würde mit verstellter Stimme, damit er mich nicht verpetzte und ich eine Woche lang mit einem wunden Hintern mein persönlichen Kreuz tragen muss.
Ich überspringe die langen Nachmittage, Nächte und Wochenenden, an denen ich zig Gebete und Kirchenlieder auswendig lernte, die Sünden und die Tugenden vor- und rückwärts aufsagen konnte, egal um welche Uhrzeit mich die Heilige meine Mutter weckte.

Dann war es endlich so weit! Ich durfte nicht nur ohne Reue futtern (die Beichte hatte ich überlebt und bis heute nicht gebeichtet, dass ich bereits dem Teufel versprochen war, bevor ich 9 Jahre alt war), sondern bekam auch einen Haufen Geschenke einige wunderschöne Accessoires, die ein Kommunionkind so bekommt. Ich gestehe, dass meine Freude über das weiße Kleid eher homöopathisch war, denn ich wusste, dass mich meine Indianer noch Wochen später auslachen würden und die Krone aus Buchsbaum (alle anderen Mädchen durften Perlen-Krönchen und Diademe tragen, aber bei uns war es Brauch, mit Gemüse auf dem Kopf mit geweihtem Buchsbaum-Kranz auf dem Kopf zur Kommunion zu gehen) konnte meine Freude auch nicht erhöhen, doch über 2 Dinge freute ich mich total: meinen eigenen Rosenkranz und das blaue Mofa.

Ohjah, meine Lieben, ihr dürft mich gerne beneiden. Ich war neun Jahre alt und fuhr ein eigenes, knallblaues Mofa mit einem türkisfarbenem Rosenkranz in der Tasche, den ich seitdem IMMER bei mir habe, wenn ich fahre (Auto), damals sogar auf dem Fahrrad.

Lange Geschichte, kurzer Sinn: Das ist mein Beitrag zum Projekt 52 in der 11. KW, in dem das Thema lautet: „Mein Weg zur Arbeit“.
Ich wollte euch den Stau ersparen, den ich zwar jeden Tag fotografierte, er dadurch jedoch auch nicht sonderlich künstlerisch anmuten wollte. Ansonsten ist die B56 eher langweilig. Also tue ich das, was ich - imho - am besten kann: Ich erzähl euch eine Geschichte.

Rosenkranz

Und diese Geschichte hat noch ein „Ende”, indem sie euch zeigt, dass ich ein offener und moderner Mensch bin, der jedoch einigen Aberglauben treu geblieben ist: Ich bekreuzige mich vor JEDER längeren Fahrt und berühre dabei meinen türkisfarbenen Rosenkranz.
Übrigens waren meine Eltern „not amused”, als ich mich für diese Farbe entschied, sie hatten eher Rosenholz oder Ebenholz im Sinn gehabt ;)

Habt ihr kleine Rituale? Aberglauben?

Hier findest Du meine bisherigen Bilder zum Projekt 52
P.S. Ähm, der am Kreuz, das ist Jesus. Der im Hintergrund, das ist Hugo, der Elch. Für alle Atheisten ;)

Category: Projekt 52
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19 Kommentare

  1. du hast ein MOFA bekommen? mit 9 jahren???
    ich hatte übrigens auch einen buchsbaumkranz. wie sich das gehört.

    mein ritual vor jeder längeren autofahrt: ölstand kontrollieren :grin: bekreuzigt habe ich mich schon lange nicht mehr.

  2. @ James - yepp! :grin: Oma war in Deutschland und hat Geld geschickt! :mrgreen:
    Ich war so saucool mit dem Mofa - und ich durfte damit auf der Straße fahren (Straße = kaum Autos, da Dorf)

  3. Hugo der Elch hinter dem Rosenkranz?! Du hast wirklich ein Herz für alle deine Leser. :grin:

    Ein Mofa für eine Neunjährige. Faszinierend. Heute kann man einen Neunjährigen kaum mit dem Fahrrad losschicken. Allerdings leben wir (leider) auch nicht auf dem platten Land. :???:

  4. kaum autos, ok. aber hattet ihr denn auch keinen dorfpolizisten, der da was gesagt hat? mit 9!?

  5. Bin ich froh, dass ich nicht getauft bin! :kreuz:

  6. @ Sisou - damals, damals war alles etwas anderes, einerseits wilder und doch unterlag alles bestimmten Regeln. Es waren ungeschriebene Regeln. Ich bin als Kind auf der Straße Schlittschuh gefahren und mußte mich nicht fürchten. Gut, soviele Autos gab es damals nicht :)

    @ James, hatten wir! Sein Sohn war bei mir in der Klasse und hatte einen sehr coolen Roller, den sein Papa aufbereitet hat :)

    @ Schneegespenst - ähm, ich kann Dir nicht folgen?

  7. das ist doch völlig okay meg! jedem das seine. ich glaube auch auf meine art und weise und hab da auch meine rituale in der hinsicht! schadet ja nicht und ich fühl mich wohl damit!
    ich wünsch euch schöne ostern meg & murmel! genießt die freien tage, auch wenn’s schneien soll…

  8. Der Schnee macht mir nichts, ich werde geniessen, geniessen, geniessen - :hugh:

  9. Ich habe ein ewiges Ritual, indem ich mir grundsätzlich zuerst immer den linken Schuh anziehe. Egal dabei ist, welcher Art sie sind. Wenn ich mal erst den rechten nehme, ziehe ich ihn sogar wieder aus, damit die Richtung stimmt. Warum das so ist, weiß ich nicht. :mad:
    Mehr solcher Macken habe ich nicht.
    Einen angenehmen und in Stimmung bringenden Abend wünsche ich noch!
    Kvelli

  10. Mir gefällt der Bücherwurm-Teil der Geschichte am besten. :smile: Bin nämlich selber seit meiner Kindheit eine Leseratte und habe schon früh unsere Stadtteilbibliothek geplündert. :grin:
    Heute habe ich mit Niels zusammen etliche hundert Bücher - denke, ich werde sie mal zählen, wenn wir umziehen. :mrgreen:

    Das mit dem Mofa mit neun Jahren ist natürlich krass! ;-) Heute und gerade in Richtung Stadt sicher undenkbar. Aber ich glaube, in sehr dörflichen Gegenden ist ähnliches bestimmt auch dann und wann noch vertreten.
    Erinnert mich ein bisschen an die Gegend im Westerwald, wo Tante und Onkel meines Vaters wohnen. (Verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen mit.) Da sind auch noch Dinge möglich, die man hier nicht wagen sollte. :smile:

  11. Steffi, die Bücher aus Polen habe ich nicht mehr, habe höchstens 2 Dutzend wieder zusammen bekommen, den “Kleinen Prinzen” habe ich mir neu gekauft, die alte, zerfledderte Version war nicht mehr aufzufinden, leider. Als die Regale in meiner alten Wohnung irgendwann voll waren, siegte die Vernunft und ich verkaufte einige. Von dem Geld kaufte ich mir ein tolles Bett und fuhr in den Urlaub. Ich hätte sie eh nicht nochmal gelesen. Doch dann gab es wieder eine Menge Bücher, die ich überall mit mir schleppen werde, in jede neue Wohnung :)

  12. Meg, ich glaube, im Moment kann ich es mir noch nicht so recht vorstellen, da mal ein bissl zu sortieren. Auch, wenn es wahrscheinlich angebracht wäre. :???:
    Wenn wir aber irgendwann dann umziehen sollten (vllt. nächstes/übernächstes Jahr), dann werde ich mir wohl selbst mal in den Popo treten und durchgucken, ob wirklich alles mit muss.
    Es sei denn, wir ziehen in ein großes Haus mit eigener Bibliothek. :mrgreen:

  13. Steffi, ansonsten freue ich mich über eine Liste - es sind bestimmt ein paar Schätzken dabei, über die ich glücklich wäre ;) Ich habe mir eines Tages gesagt, dass ich einen Thriller niemals ein 2. Mal lesen werde und so staubt er ein. Bücher kosten ein Schweinegeld …

  14. Meg, das ist eine gute Idee. :-) Zumal ich auch viele doppelte Bücher hier habe.
    Gibt es Sachen, die Du GAR NICHT liest?

  15. Steffi - hach, mach mich nicht wuschig! Ähm, Simmel, Konsalik, etc. - sowas mag ich nicht. Liebesromane mag ich auch nicht sonderlich. Krimis, Thriller dafür gerne.
    “Kind 44″ habe ich ausgelesen! Irre gut. Ich bin baff, erschüttert, begeistert, schockiert … Richtig gut, aber auch hart.

  16. Meg, ich werde einfach mal festhalten, was hier so an Dubletten herumschwirrt und es Dir dann ganz dreist mitteilen. Vielleicht ist ja was für Dich mit dabei. :grin:
    Das klingt wirklich gut… wie ein Buch, das ich recht schnell durch haben werde. Ich freue mich schon! :-)

  17. @ Steffi, das wäre wirklich super! :) Ich freu mich schon sehr! Wenn ich in den nächsten Tagen dazu komme, schreibe ich ein bisschen etwas über die Bücher, die ich in den letzten Tagen gelesen habe :)

  18. Na ja, ich bin nicht getauft und so ist mir dieser ganze Kirchenkram erspart geblieben :wink:

  19. @ Schneegespenst: ich habe diesen Kirchenkram genossen - als Kind! :)

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