Ich sitze auf dem Balkon und schaue über die Bäume in die Ferne. Die Luft hat sich abgekühlt. Der würzige Duft des Weins steigt mir in die Nase. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich zittere. Mir ist genauso kalt wie der Nacht. Ich geh wieder rein. schließe die Tür und drehe mich um. Kerzenschein bricht sich in tiefem Rot in meinem Glas. Mystisch, geheimnisvoll. Gebannt schau ich dieses perfekte Schauspiel an. Ich friere, setze mich aufs Sofa und lausche der Musik. Die Angespanntheit des Tages fällt von mir ab. Ich lasse mich treiben und fühle die Klänge. Unwillkürlich ziehe ich die Decke ein Stück höher, doch sie wärmt nicht. Traurig spiegeln sich meine Augen in der Sehnsucht. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Freundin.
Warum versteht mich niemand?
Angst. Sie haben Angst.
Wovor?
Vor Dir.
Vor mir? Warum?
Du bist anders, etwas Besonderes. Du bist intelligent, tiefgründig, stark, aber doch weich, sinnlich begehrenswert. Du bist so jung, aber dein Verstand ist wesentlich älter.
Aber wie kann das jemandem Angst machen?
Es sind deine Augen. Sie können so herzlich lachen und doch so traurig sein. Deine Worte, die einfach das ausdrücken, was sich viele nicht zu sagen trauen.
Der Raum ist erfüllt mit Stille, die Musik ist verstummt. Ich schiebe die Decke zur Seite und lösche die Kerze. Das Glas, nicht ganz leer, wird mich morgen an den Abend erinnern. Ich geh ins Bad und drehe das Wasser auf, in der Hoffnung, dass mich die heiße Dusche wärmen wird. In mir drin, in meinem Herzen.


G:Sagt