Diese Woche bin ich mächtig stolz auf mich, denn gestern habe ich zum 3x den inneren Schweinehund überwunden und habe die 3. Sportleistungseinheit absolviert. Gestern mußte ich leider ohne Yvonne ins Schwimmbad, doch da ich etwas früher Feierabend gemacht habe, konnte ich in aller Ruhe und mit der eigenen, perfekten Welle 50 Bahnen schwimmen. Heute habe ich mich erneut in die Fluten gestürzt, diesmal allerdings nicht, um Bahnen zu ziehen, sondern um etwas gegen „mögliche Zeichen der Hautalterung“ zu tun. Aqua-Jogging heißt die Sportart.
Manch eine liebe Leserin könnte jetzt auf die Idee kommen, die doofe Kuh (also ich) mache das mit Absicht und reite hier auf der „Sportwelle“ rum, wo ich mich doch gerade mal zum 3. Mal überwunden habe. Doch ganz ehrlich? Ich mache das nicht, weil ich es will und so unglaublich gerne tue, oh nein. Ich mache das, weil ich MUSS, denn ich bin bereits mit ca. 15 Jahren aus der Kleidergröße 38/40 rausgewachsen. In dem Alter war mein Kreuz bereits zu breit und meine Brust sprengte die Norm einer normalen 15-jährigen. Der Kampf gegen weibliche Formen nahm seinen Lauf und hörte – bis auf 1-5 Jahre – nicht mehr auf.
Auf den letzten Drücker kam ich an der Sporthalle an und wurde sogleich von Henning in Empfang genommen. „Hi, ich bin der Trainer“, grinste er mich an und ließ – wie beiläufig – den Trizeps hüpfen. Aha, wieder mal einer von den überengagierten Sportstudenten, die schon in der Kindheit alle Ehrenurkunden bei den Bundes-Jugendspielen abgeräumt haben, während ich „nur“ mit Siegerurkunden nach Hause gelaufen bin. Versteht mich nicht falsch, einen Bizeps habe ich auch, zwei Stück sogar, aber mein Trizeps ist verschwinden. Ich zog mich schnell um, bzw. aus und wieder an und flitzte ins Schwimmbad. Ah herrjeh! Bin ich hier falsch?
Doch Henning lächelte mich an und meinte nur „Los, los, ab ins Wasser, junges Fräulein!“.
Wie bitte?! Wo bin ich denn hier gelandet? Fräulein? Ich schaute mir meine Mit-Joggerinnen an. Alles klar. Ich war mit Abstand – und wenn ich Abstand schreibe, meine ich mind. 30 Jahre!!!!! – am WEITESTEN von der Rente entfernt und sahen alle aus, als würden sie für eine Senioren-Sportgruppe Werbung machen: „Turne statt Urne!“ Ich finde das großartig! Jedes Mal, wenn ich mit den Stöcken durch den Wald laufe und mir ein Ömchen mit Opa entgegenkommen, die die Stöcke nur spazieren führen, muß ich lächeln, denn sie BEWEGEN sich! Die 5 Damen im Becken schauten mich an und ich mußte an mich halten, um nicht zu lachen. Also grinste ich die 5 Metropa-Duschhauben an und hüpfte ins Wasser. Nicht einen Hauch eines schlechten Gewissens hatte ich, als voller Elan das Wasser verdrängte und mit einem „Hi, ich bin Meg“ zu der Gruppe stieß.
Gleich zu Anfang spielten wir ein kleines Spielchen, indem wir uns einen Ball zuwafen und uns etwas vorstellten. Mit der Koordination (Ball werfen und Namen sagen) hatten einige Damen ihre Probleme, doch ich wurde innerhalb von 5 Minuten als Küken in der Runde akzeptiert und spätestens als ich die Frage nach meinem Alter beantwortete, war ich von 3 Frauen auf der Stelle als ENKELIN adoptiert.
Sogleich verguckte ich mich in Lieselotte, die mit ihrer lila geblümten Badekappe und den Schwimmflügeln zum KNUTSCHEN aussah und alle zum lachen brachte, als Henning danach fragte, ob jemand Asthma, hohen oder niedrigen Blutdruck, Diabetes, Arthritis, etc. und sie jedes Mal (bis auf hohen Blutdruck) die Hand hob.
Ist es schäbig, wenn man sich inmitten der „Pension Sonnenuntergang“ innerlich ein bisschen auf die Schulter klopft, weil man als einzige den Finger gar NICHT gehoben hat? Jesses. Die Damen sind knuffig.
Nach dem anfänglichen Geplänkel – ich hatte schon Angst, daß wir nicht joggen, sondern mit Nudeln und Brettern Spielchen spielen – klatschte Henning in die Hände und jagte uns durchs Wasser. Schnell merkte er, daß ich eine andere Herausforderung brauchte, als die restlichen Damen und ließ eigens für mich den Boden des Beckens etwas runter, denn ich war nicht nur die Jüngste, ich überragte auch noch die größte der Damen um ca. 25 cm. Ich schwimme, seit mich mein Vater vom Wasserfall der Weichsel (längster Fluß Polens) 4 Meter in die Tiefe schubste. Ich hörte meine Mutter noch schreien, habe allerdings erst später erfahren, was sie geschrien und was mein Vater geantwortet hat. Damals war ich selbst 4 Jahre alt, das Wasser war schweinekalt und an der Stelle (unmittelbar unter dem Fall) auch noch verdammt tief. Zumindest konnte mein Vater dort nicht stehen und der ist 186 cm groß. Ich habe überlebt. Und bin danach weiter geschwommen, was dazu beigetragen hat, daß man sich heute auch hinter meinem Kreuz verstecken kann.
Nun habe ich Muskelkater. In den Armen von Mittwoch und in den Beinen von Donnerstag. Montag habe ich bestimmt Rücken.
Ich wünsche euch einen wunderschönen Freitag und schließe mit den Worten von Jens Gabriel:
Schweiß sind die Tränen der Muskeln.¹
Highlight of the day: Ich spüre jeden einzelnen Muskel in den Waden. Sowas ist mir das letzte Mal im Frühjahr passiert, als ich nach 6 Monaten Abstinenz wieder Fahrrad gefahren bin. Es waren gleich 40 km am Stück. Ein herrliches Gefühl!
Lowlight of the day: Ich brauche einen neuen Badeanzug. Meiner ist vorne … durch *blush* Das wird eine Geschichte für sich …
¹ Zum Glück sieht man das unter Wasser nicht so dolle …
G:Sagt