Donnerstag, Oktober 09th, 2008 | Author: Meg

Werbung ist heutzutage echt anspruchsvoll (und ich weiß, wovon ich spreche): Da gibt es ein Katzenfutter mit Life-Care-Garantie, ein Deo mit dem Frische-Reload, massenhaft Anti-Aging-Produkte usw. Besonders heikel ist das „After Shampoo Liquid“. Zwar ist das nichts für den Popo, sondern bloß für die Haare, aber woher soll man das ohne Denglisch-Kenntnisse wissen? :ohoh:

Auch mir geben die Werbefritzen bisweilen Rätsel auf: „Come in and find out”. Was soll ich herausfinden? Den Sinn des Werbespruchs, Verzeihung: Slogans möglicherweise? Den suche ich bis dato noch vergeblich. O2 can do – vielleicht auch mal Deutsch mit uns reden? (Macht ja McDonald’s und T-Mobile auch!) Nun muss man der Fairness halber natürlich erwähnen, dass dieser grauenvolle Sprachmix – auch Denglisch genannt – nicht nur in der Werbung Einzug gehalten hat.
Besonders schlimm ist es im Medienbereich. Über Kabel bekommt die „Fun“ und „Action“ liebende MTV-Generation eingetrichtert, dass Anglizismen „cool“ sind. Aber nur weil plötzlich “Entertainment in“ ist, wird die Unterhaltung davon auch nicht besser. Oder nehmen wir die Mode: Gut, niemanden kratzt es, dass nur noch „Shirts“ und „Shorts“ in den Regalen liegen. Mich auch nicht. Erst neulich habe ich mir ein T-Shirt gekauft. So ein schlichtes, simples Teil, was man von der angehefteten Produktbeschreibung nicht behaupten kann. Vollmundig werden darin die bequemen Basics und die schlichten Styles des Modelabels gepriesen. Kurz frage ich mich, ob ich wohl in der Spalte verrutscht bin und versehentlich den englischen Text gelesen habe. Nein, zumindest die Füllsel zwischen den englischen Schlagwörtern sind deutsch. Und dann, zum krönenden Abschluss, klärt man mich darüber auf, dass ich mit diesem T-Shirt ein „must have“ erworben habe. Ein bitte was? Eins ist sicher: Wenn das so weitergeht, ist Englischunterricht im Kindergarten bald auch ein „must have“.
:notme:

Category: Daily thoughts
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16 Kommentare

  1. 1
    Rattenviechs 
    Donnerstag, 9. Oktober 2008

    Gerade in der IT kommt man ja um ein gepflegtes Denglisch nicht herum, trotzdem nervt es mich mordsmäßig an, was man da im Alltag antrifft. Man möchte meinen, die Werbung würde nur noch von gemischtsprachigen Teams in Dauerbekiffung zusammengenagelt. Sei es ein “Feel the Spiel” zur letzten WM oder die “Öffentliche Aufbahrung” (besser bekannt als “Public viewing”) oder der “Kaffee Togo” (Immerhin wird in Togo tatsächlich Kaffee produziert). ES REICHT! :flenn:

    Und deswegen verzichten wir auf unserer Firmenwebsite konsequent auf alle Denglizismen. Unser Marketing-Targets sind keine coolen Gnomester mit einer hippen Addiction zu trendigen Lifestyle-Assets.

    Manchmal sind Kunden einfach nur… Kunden.

  2. Nur Trendbegriffe, wie “Web 2.0″…
    Aber brauchst dich nicht zu wundern, wenn in 50 Jahren kein Mensch “Muss” sagt, sondern “must-have”. Nein, besser eingedeutschter: “mast-häv”

  3. herrgott… darüber regt ihr euch auf? Das hat schon meinen Großvater genervt und es hat trotzdem nichts genützt… eine gesprochene Sprache ist nun mal immer im Wandel, das bedeutet aber auch, sie ist lebendig, vielfältig und bunt. Wem das nicht gefällt, der soll sich ne Pyramide bauen oder Latainbücher lesen.

  4. Es gibt schon Englisch in Kindergärten :tuete: .. und meine Schwester hat in der 4. Klasse schon Englisch gehabt. Musste zwar nicht, aber die Kinder hätten es machen können.

  5. 5
    Rattenviechs 
    Donnerstag, 9. Oktober 2008

    @feydab: Trotz allen Wandels ist es aber immer noch Latein. Mit einem e. Und Denglish hat mitnichten etwas mit Wandel zu tun, sondern mit den schlechten Angewohnheiten zugedröhnter Werbefuzzis.

  6. Ich finde es zumindest nervig, wenn (d)englische Begriffe verwendet werden, wenn es auch ganz normale deutsche dafür gibt, die man schon jahrelang benutzt hat. Oder auch so schlechte englische Begriffe, die gar keinen Sinn ergeben.

    In der Grundschule ist Englisch als Schulfach jedenfalls schon etabliert.

  7. da ich selbst ganz gut und auch sehr gerne englisch spreche, macht mir das alles nix aus … für mich ist englisch einfach die unkompliziertere sprache. häufig kannst du im englischen einen zustand mit zwei worten erklären. im deutschen müsstest du dafür einen ganzen satz bauen. unpraktisch :D
    da ich auch noch aus dem consulting, bzw. der it komme, gewöhnt man sich sehr schnell an anglizismen. man geht eben ins “office” und man hat “meetings” und außerdem geht man am “casual friday” eben leger zur arbeit :mrgreen:
    meine güte, was solls … nice to have, eben :mrgreen:

  8. Gut, ich arbeite in einem japanischen Unternehmen. Aber was hier auch an Denglish gesprochen, geht auf keine Kuhhaut. Komplett deutscher Satz, aber dann einfach ein englisches Wort reingehauen, wofür es ohne langes Nachdenken auch ein deutsches Wort für geben würde. Ich bin da auch nicht immer so amused drüber.
    :pfeif:

  9. Das Rad lässt sich leider nicht zurückdrehen, und so wird zukünftig gute deutsche Redegewandtheit noch mehr auffallen. Am meisten nervt mich voten und performen. Einer der Gründe warum ich MTV und Konsorten gar nicht erst einschalte. Es gibt auch gute passende Anglizismen, aber wie immer gilt, nicht übertreiben…

  10. Denglisch, tjaja - eine Welt für sich.
    Ist aber nicht nur im Werbe- und Medienbereich so, recht schlimm ist es auch in der Computerbranche.
    “Ja gehen sie jetzt auf den Desktop und klicken sie auf den Start-Button.” oder “Starten Sie den Internet Explorer und surfen sie auf die Webseite soundso.de” oder “Unser Support kümmert sich um die Tickets der Anwender”. Überall schon zwei englische Begriffe drin. Schlimmer geht’s immer in Onlinespielen: “Während die Mages die Adds mit AoE wegbomben, zieht der WL mit seinem Pet aggro, solang der Tank nicht frei ist.”
    Jaja, wenn demnächst Lehrer zu den Schülern sagen: “Zieh keine Aggro ansonsten kommen Hausaufgaben in Addwellen.” ist definitiv zu spät für’s “normale” Deutsch. X’D

  11. Da regen sich viele drüber auf. Mich stört das komischerweise überhaupt nicht. ch mag Englisch im Grunde auch lieber. Es ist einfacher, wird überall gesprochen und es stört mich nicht wenn es so nach und nach hier bei uns Einzug hält. Ich war eben im Coffee Shop, arbeite an meinen Notebook, habe nachher ein Meeting, später gehe ich shoppen……Die blöden Sprüche der Werbefuzzis finde ich auch doof, aber die deutschen Slogans sind auch nicht viel besser :-)

  12. In meiner Branche ist das auch nicht anders. Da strotzt alles nur so vor Anglizismen.
    Allerdings merke ich aufgrund dessen, weil ich den ganzen Tag meist mehr Englisch als Deutsch rede, dass ich gerade beim Blog schreiben häufig Probleme habe das deutsche Wort zu finden ;-) Meine Freunde in Deutschland halten mich schon für einen totalen Snob und amüsieren sich immer königlich wenn ich mal zu Besuch bin.
    Deswegen, mir fallen die Anglizismen eher weniger auf und stören mich auch somit nicht.
    Aber ich finde es nett, wie die Franzosen ihre Sprache beschützen. Das hat durchaus was.

  13. Den ‘casual friday’ praktiziere ich auch schon seit meiner Lehre :mrgreen:

    Der Keks hat tatsächlich im Kindergarten schon spielerisch Englisch gelernt und auch jetzt in der dritten Klasse einmal in der Woche Englisch - allerdings noch ohne Benotung! Ich persönlich finde es klasse und bin froh, daß ich ihm da auch ein bißchen was beibringen kann - denn meine Eltern konnten mir da nie helfen, im Gegenteil! ;)

  14. meine Kinder lernen auch schon Englisch im Kindergarten. ich finde das echt Top! So lerne auch ich immer noch dazu und das sogar von meinen Kleinen. Besser geht es nicht!

  15. Oh, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich DAFÜR bin, dass Kinder mehrsprachig aufwachsen. Und wenn die Eltern dabei auch noch was lernen können - großartig.

    Was mich nur stört sind Worte, die keine sind.
    “downgeloaded” oder wie Crosa z.B. sagte “performen” und “voten”. Wir haben dt. Begriffe dafür und verwenden etwas, was kein Begriff ist. Das ärgert mich. Doch das ist …”my private Idaho” :mrgreen:

  16. sprichst mir aus der seele, das bemängel ich schon seit geraumer zeit und im scrapbooking (ja, ein englisches wort *g*) bereich gestalte ich auch weiterhin artig meine DEUTSCHEN texte auf den layouts.
    trotzdem lernt mein (seit heute) 6-jähriger bereits seit über einem jahr englisch und ist mit begeisterung dabei.
    und nochmal trotzdem gilt für mich deutsch ist deutsch und englisch ist englisch. entweder ganz oder gar nicht, sollten uns an den franzosen ein beispiel nehmen.

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