Freiheit, Freiheit,
ist das einzige, was zählt!
sang Marius Müller Westernhagen bereits vor etlichen Jahren. Zum Geburtstag habe ich das Buch “Kind 44″ geschenkt bekommen, welches ich in kürzester Zeit verschlungen habe, auch wenn mir bisweilen das Herz bis zum Halse schlug und ich mir mehr als einmal bewusst wurde, wie gut es mir in der Demokratie geht. Ich kenne noch die Lebensmittelmarken aus Polen, mit denen Lebensmittel zugeteilt wurden. Stundenlang standen wir uns die Beine in den Bauch, wenn es hieß: es gibt Brot/Fleisch/Butter. Doch egal wie lange man in so einer Schlang stand, man wusste nicht, ob es für alle reichen würde. Dennoch: Hunger habe ich nie leiden müssen.
Ich kenne auch die Polizeistunde. Doch auch das war nichts, was mir oder meinen Eltern Angst gemacht hat.
In Russland musste man unter Stalin jederzeit damit rechnen, als Volksfeind denunziert zu werden und im Gulag sein - dann nicht mehr nennenswertes und als solches betrachtetes - Leben(sende) zu fristen. Ein Leben war dort nichts wert. Tausende von Menschen starben unschuldig, bloß, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren, anders geschaut haben, als man es von ihnen verlangte oder nicht die Antwort gaben, die man hören wollte.
Seit Tagen verfolge ich, was in Tibet los ist. Seit Tagen scanne ich die Presse, denn … eine liebe Bekannte von mir, Marloes, ist derzeit in Tibet. Gestern habe ich endlich in ihrem Blog gelesen, dass sie Tibet verlassen haben. Sie macht ein Jahr Pause und reist um die Welt. Schaut euch das Blog an, es ist spannend.
Soll man die olympischen Spiele boykottieren oder nicht? Wer hat das Rückgrat und wendet sich gegen den größten Exporteur der Welt? Wer möchte es sich mit einem Land verscherzen, in dem man für nen Appel und ein Ei alles von Spielzeug bis Auto produzieren lassen kann?
Es gibt Menschen, die versucht haben - in einer Art “Test” - ein Jahr lang ohne Produkte “Made in China” zu leben. Es ist schwer, verdammt schwer, sagte die Journalistin.
Doch wie kann man sonst diesem Land zeigen, dass die Mehrheit der Welt nicht einverstanden ist damit, was die Chinesen in Tibet gerade veranstalten? Wie kann man ihnen begreiflich machen, dass sie nicht das Recht haben, Tiber zu unterdrücken?
Herr StoiBär hat gemeinsam mit Torsten vom Main-Blog das China-Watchblog auf die Beine gestellt. Warum? StioBär sagt dazu:
Es brennt mir schon lange manches unter den Nägeln, was im Land der Mitte nicht so ist, wie sie sein sollte, der Tibet-Konflikt ist da eigentlich nur ein kleiner Teil davon.
Ich werde ihn in den kommenden Tagen etwas genauer dazu befragen, da es mich interessiert, was man sich von diesem Blog verspricht? Ziele? Intentionen?
Was sagt ihr zu China, Tibet und den bevorstehenden olympischen Spielen?
Ich habe Bauchschmerzen damit. Nicht, weil ich der große Olympia-Fan bin und nun die Grundprinzipien gefährdet sehe. Ich habe Bauchschmerzen damit, dass dieses Land nach wie vor die Grundrechte des Menschen mit Füßen tritt.



27. März 2008 um 22:00
Schweres Thema, wo man sich gut überlege muss, was man wie artikuliert
.
Ich weiss nur, dass auch ein großes Problem damit habe, dass sie eben die Menschenrechte so missachten. Ebenso aber auch die Länder im Nahen Osten .. oder Indien, Afghanistan etc.
Was ich da ganz aktuell von meinem Mann erfahre, lässt mich auch an vielem zweifeln
.
28. März 2008 um 09:09
Es macht mir Bauchschmerzen. Es macht mich wütend. Aber bei den Geldern und dem Prestige, welches da dran hängt, wird niemand die Olympischen Spiele boykottieren. Niemand.
Und sonst stimme ich Conni zu. Es gibt so vieles was man nicht sehen will und so vieles, von dem man sich blenden lässt.
28. März 2008 um 09:17
@ Conni: Sicher, es ist nicht nur China, es sind soviele Länder, die mittlerweile nicht mal mehr in den Nachrichten erwähnt werden. Seit Jahren kämpfen dort Menschenrechtler gegen korruptes Regime, gegen Macht und Geld. Leider meist erfolglos und am Ende des Tages ist das Menschenleben einen Dreck wert …
@ Frau W. ich bin fest davon überzeugt, dass ein Boykott der olympischen Spiele auch hier nicht viel bringen würde. Die Wut Chinas dafür müsste dann der kleine Mann wieder schlucken. Freiheitsberaubung für ein ehrliches Wort
28. März 2008 um 09:33
Ein Boykott würde den Menschen in China nichts bringen. Das ist klar. Aber es würden den “Machthabern” zeigen, dass ihr Verhalten von anderen Ländern nicht akzeptiert wird und… den Rest verkneife ich mir einfach mal. Ich bin da sehr undiplomatisch in meiner Ausdrucksweise. :oops:
28. März 2008 um 09:36
Und zum Thema “Das Menschenleben ist einen Dreck wert”: Da muss man nicht so weit über den Tellerrand schauen. Finde ich. Das ist jetzt ein fettes Off Topic, für welches ich mir hier schon einmal entschuldige, aber wenn man sich die Rechtsprechung im eigenen Land manchmal ansieht, dann fragt man sich schon, was schwerwiegender ist. Scheint manchmal so, als würde ein Steuerbetrug schwerwiegender sein, als wenn man einen Menschen verprügelt/tötet/quält.
28. März 2008 um 09:38
ich glaube auch: ein boykott würde hier nur die falschen treffen. schon als china damals den zuschlag für die spiele bekommen hat, wussten eigentlich alle, wie dieses land mit menschenrechten umgeht. aber geld und wirtschaftliche zusammenhänge scheinen bei der entscheidung ja offensichtlich doch eine recht große rolle zu spielen.
28. März 2008 um 10:19
problematisches thema. das gab es 1980 und 1984 ja schonmal. unterm strich hat es nicht wirklich was geholfen und meiner meinung nach würde es auch dieses mal nichts helfen, sie spiele zu boykottieren. die grundhaltung ändert sich nicht. da müssen schon drastischere massnahmen her, wie 1989 z.b. nach dem berühmten massaker. außerdem müssten für funktionierende sanktionen alle wichtigen exportpartner chinas an einem strang ziehen und die geschäftlichen beziehungen, handel, investments, kredite, etc. einstellen.
@frau w.: es scheint nicht nur so … es IST so!
28. März 2008 um 10:42
Liebe Frau W. - das ist keineswegs off topic, es geht auch hier um Menschenrechte und ich stimme Dir zu: Schaut man sich die Nachrichten-Meldungen unserer Zeitungen an, ist die Sorge um den TransRapid, Stuerhinterziehung, etc. größer, als die Verfolgung von Verbrechen an einem Einzelnen. Was zeigt uns das? Der Staat ist nur an einer Stelle verwundbar: Dort, wo das Geld liegt.
Nicht dort, wo das Herz eines Einzelnen schlägt. Das mag etwas gestochen klingen … ich bin gerade zu aufgewühlt, um es besser zu formulieren.
@ James - weißt Du, was mir gerade in den Sinn kommt? Die Türkei muss sich gerade auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln, damit sie in die EU darf. Olympische Spiele darf jedoch jeder ausrichten, auch wenn die ganze Welt weiß, wie dort die Menschenrechte mit den Füßen getreten und durch den Dreck gezogen werden.
28. März 2008 um 10:55
@ Mirco -
..und wir können uns vorstellen, wir wahrscheinlich das ist
28. März 2008 um 11:04
Danke für dne Buchtipp, habe es gleich in meinen Amazon Wunschzettel gelegt!
28. März 2008 um 11:09
@ Gespenst - gerne. Lesebefehl!
28. März 2008 um 11:16
Wird umgehend ausgeführt! :-)
28. März 2008 um 11:36
Berichte, wie es Dir gefallen hat
Ich bin auch stets für Tipps dankbar! 
28. März 2008 um 11:52
Hier ein Tipp: :-) Ich bin grad mit Erich Kästners “Fabian. Geschichte eines Moralisten” durch. Fand ich auch sehr gut.
28. März 2008 um 19:30
auch ich stimme hier connie zu, es ist ein sehr schwieriges thema, das auch mich wütend und traurig macht. auch ich glaube, dass ein boykott nicht wirklich stattfinden wird, zumindest nicht da, wo er etwas bewirken könnte. ich finde es schlimm, dass wir alle so “abhängig” von dem land der mitte sind, welche macht geld doch hat… ich darf gar nicht weiter darüber nachdenken, was da für ein riesen rattenschwanz dranhängt… :neutral:
29. März 2008 um 01:44
Ich glaube, auch die Kommentatoren vor mir ahnen, daß jeder Einzelne nichts für eine Verbesserung der Menschenrechte in China ausrichten kann. Menschenrechte werden aber auch hier verletzt. Und so kann jeder Einzelne, so schwer es vielleicht auch fällt, sich nur im Kleinen üben, hier, vor unserer Tür und hoffen, dass sich die vielen, vielen kleinen Schritte in vielen, vielen Jahren ein bißchen, bißchen mehr Menschlichkeit in unsere Welt bringt.
31. März 2008 um 19:13
@ Gespenst, danke für den Tipp, ich arbeite mich jetzt erstmal durch mein SuB und werde dann noch ein paar Tipps holen