Kein Thema für jedermann. Also bitte nur lesen, wenn ihr darüber sprechen wollt.
Die Suche bei Google spuckt 112.000 Treffer aus.
Sucht man nach „geschwisterliebe ärzte” sind es bereits um einiges weniger, aber immer noch eine Menge.
Ich werde hier kein Video und auch keinen Text zu dem indizierten Song „Geschwisterliebe” posten, ich möchte dennoch über dieses Thema sprechen.
Neulich habe ich in der Zeitung einen großen, doppelseitigen Artikel über das Geschwisterpaar, welches sich nicht nur liebt, sondern auch Kinder miteinander hat, gelesen. Doch Karlsruher Richter haben entschieden: Inzest bleibt in Deutschland strafbar.
Tante Wiki sagt dazu:
Inzest (auch Blutschande) bezeichnet Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten, insbesondere die Komponente des Verbots, der gesellschaftlichen Akzeptanz oder auch der gesellschaftlichen Verpflichtung.Jede Kultur, jede Gesellschaft, jede Religion und jeder Stamm hat andere Vorstellungen davon, was verbotener Inzest ist bzw. welcher Inzest von den Mitgliedern gewünscht oder sogar gefordert wird. Das Inzesttabu richtet sich in allen Kulturen nach der verwandtschaftlichen Nähe. Jedoch unterscheidet es sich von Kultur zu Kultur wer als nah gilt.
Weiter heißt es:
Inzest wird in Deutschland und Österreich nur zwischen in gerader Linie Verwandten - also Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, und deren Kindern, Enkeln, Urenkeln - sowie zwischen Voll- und Halbgeschwistern (letzteres ist rechtlich umstritten) verfolgt. In Deutschland werden die Abkömmlinge und Geschwister nicht bestraft, wenn sie zur Tatzeit jünger als 18 Jahre waren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dabei gar keine Straftat vorliegt. Die Tat stellt bei Begehung durch Minderjährige eine gegenüber den Minderjährigen bloß nicht verfolgbare rechtswidrige Straftat (die dogmatische Einordnung ist streitig) dar. Damit bleiben aber jedenfalls etwa Anstiftung und Beihilfe dazu strafbar. In Österreich wird nicht bestraft, wer zur Tatzeit jünger als 19 Jahre war und zur Tat verführt wurde.
Nachdem ich den Artikel über Patrick und Susan gelesen habe, habe ich einige Vorurteile abbauen müssen. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin nicht dafür, dass Geschwister miteinander Kinder in die Welt setzen, welche in dieser Gesellschaft verloren haben, da sie ihr lebtag entweder behindert sind oder aber von der Umwelt geschubst werden, als „Produkt” einer inzestuösen Verbindung. Dennoch liefen mir die Tränen über die Wangen, als ich davon las, dass sich die beiden lieben. Sie sind nicht zusammen aufgewachsen. Patrick wurde nach der Scheidung der Eltern von einer Pflegefamilie adoptiert, seine Schwester war geistig zurückgeblieben. Als sie sich trafen, blühte sie auf, die beiden verliebten sich. Sie haben 4 Kinder, die ihnen nach der Geburt abgenommen wurden. Patrick ließ sich sterilisieren, nachdem man ihm immer und immer wieder einredete, dass die Kinder das ganze Übel seien.
Er sitzt eine Haftstrafe ab und wird regelmäßig verprügelt, denn im Gefängnis steht er in der Hierarchie ganz, ganz unten: Inzesttäter und Kinderschänder stehen auf der untersten Stufe.
Patrick hat gegen ein Gesetz verstoßen. Seine Schwester ist geistig zurückgeblieben (was das auch immer bedeuten soll, näheres habe ich nicht raus finden können) - er hat sich strafbar gemacht, keine Frage.
Ich frage dennoch - vorsichtig! - würde man die Frage der Eugenik beiseite lassen: WAS spricht gegen Geschwisterliebe?
Warum ist alleine schon der Gedanken daran bei vielen mit Ekel verbunden?
Fast lachen musste ich, als ich mir den Paragraphen 173 etwas genauer anschaute: Berührungen und „andere sexuelle Handlungen” sind erlaubt. Geschlechtsverkehr nicht. Männliche Verwandte, die miteinander schlafen, machen sich nicht strafbar, denn: das ist kein Sex (Beischlaf), sondern „strafloser Verkehr”. Aha.
In Frankreich wurde Inzest bereits 1810 mit dem Strafgesetzbuch Napoleons für straflos erklärt. Andere europäische Staaten wie die Niederlande, Portugal und Spanien folgten dem Beispiel. In der Türkei, China, der Elfenbeinküste und Russland ist einvernehmlicher Beischlaf zwischen Verwandten juristisch nicht relevant. Begründet wird dies damit, dass es kein Opfer gäbe. [Quelle: Welt.de]
Ich bin etwas hin- und hergerissen: Als hoffnungsvolle Romantikerin, die für Liebe einige Opfer bringen würde, die Liebe als das erstrebenswerteste auf dieser Erde hält, einen Seelenverwandten so sehr braucht, wie die Luft zum atmen, möchte ich für die Liebe plädieren. Die fällt doch einfach hin, die kann man nicht steuern, abschalten, wegdenken.
Andererseits weiß ich, dass es nicht richtig ist, bewusst das Risiko einzugehen, behinderte Kinder auf die Welt zu setzen. Es mussnicht, aber das Risiko ist sehr, sehr hoch, dass Kinder inzestuöser Verbindungen als behindert auf die Welt kommen. Soll man die Liebe erlauben, aber das Kinderkriegen verbieten? Wäre das ein Kompromiss?
Ich war damals in meinen ältesten Cousin verliebt. So richtig. Mit Herzklopfen. Allerdings habe ich das in Anbetracht der drohenden Sanktionen (Steinigung, z.B. - wir lebten in Polen) schnell verdrängt. Ich war 14.
Ich weiß, dass es ist ein … heikles Thema. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es bei vielen Unbehagen auslöst. Dennoch würde mich eure Meinung sehr interessieren. Jedoch nur, wenn ihr eine habt.



01. April 2008 um 10:20
Das mit den beiden habe ich im Fernseh gesehen. Er muss doch jetzt sogar ins Gefängnis. Ich kann mich zu dem Thema einfach zu keiner klarer Meinung durchringen. In dem Fall finde ich es nun auch nicht so schlimm. Allerdings habe ich auch ein Beispiel gesehen, da ist Tochtet mir Vater zusammen. Sie ist nicht bei ihm aufgewachsen. Ähnlich wie bei den beiden anderen. Aber das fand ich sehr abstoßend. Wie gesagt. Irgendwie bin ich da sehr hin und her gerissen was ich denken soll.
01. April 2008 um 10:21
Vergessen: Bei einem bin ich mir sicher. Wenn sie sich lieben ok. Aber sie sollten KEINE Kinder bekommen!!
01. April 2008 um 12:15
Ich finde nichts schlimmes an Geschwisterliebe … solange sie kinderlos bleibt. Kinderlos müsste sie m. M. nach aber unbedingt bleiben … schon wegen der Möglichkeit der Behinderung. Aber sonst …?
Was der §173 dazu hergibt, sagt doch schon alles über die Gesetzgebung *kopfschüttel*
01. April 2008 um 12:38
ich habe den artikel auch gelesen. allerdings kam bei mir das gefühl auf, dass sie so sehr nach liebe gesucht haben, dass sie sich einfach finden mussten. also, als wenn einfach niemand anderes da gewesen ist.
ansonsten sehe ich das ähnlich: wo die liebe hinfällt. aber dann kinder in die welt setzen ist schon ziemlich fahrlässig.
das eine kind durften die beiden übrigens behalten, weil es nicht behindert ist. wo ist denn da die logik?
01. April 2008 um 13:31
@ Gespenst, Maksi und James - eine sehr natürliche “Folge” von Liebe ist der Wunsch nach Kindern, quasi als Siegel/Krönung der Liebe. Dennoch sind in dem Fall von Inzest-Verbindungen meist die Kinder die Leidtragenden, die behindert auf die Welt kommen.
Darf man Menschen verbieten, Kinder zu bekommen?
Ich weiß nicht, wie ich das Thema in meinem Kopf sortiert bekomme.
01. April 2008 um 13:37
*schnell mal reinschleich und mich zurückmelde* :-)
Mir gehts wieder besser und ich kann wieder all eure schönen Beiträge lesen :-)
*knuddels* :hugh:
01. April 2008 um 13:52
Hallo Michi, schön, dass Du wieder da bist! :hugh:
01. April 2008 um 13:55
dürfen geschwister wohl ein kind adoptieren?
01. April 2008 um 14:17
@ James, das weiß ich nicht. Ich werde mal guglen.
01. April 2008 um 14:38
Ist schwierig. Ich tue mir mit der Bewertung dessen ja auch sehr schwer. Aber Kinder sollten sie nicht bekommen, die Chance das diese Kinder behindert sind ist einfach sehr groß. Adoption wäre auch eine Möglichkeit.
01. April 2008 um 16:19
Die Problematik in diesem Fall liegt im verschiedenartigen Aufwachsen. Ich weiss nicht, inwieweit die Beiden überhaupt von der Existenz des Anderen wussten. Insofern wäre es nachvollziehbar sich ineinander zu verlieben.
Wenn ich aber bereits 2 von 4 Kindern behindert zur Welt bringe, dann verbietet sich jeder weitere sexuelle Kontakt von alleine, besonders wenn der Grund so klar ist. Alles andere ist in meinen Augen verantwortungslos und beschreibt nur den Wunsch nach ungesteuerter Triebhaftigkeit zum lebenslangen Nachteil des Ungeboreren.
Und für die Romatiker sei gesagt: Liebe ist auch Verzicht!
01. April 2008 um 22:05
Meiner Meinung nach darf Geschwisterliebe nicht legalisiert werden . Ein Gesetz wird sicher nie jedem Einzelfall gerecht. Jedes Gesetz hat auch seine Opfer.Du kämst ja auch nicht auf die Idee, Pädophilie zu legalisieren, obwohl sicher im Einzelfall auch ein Erwachsener und eine Minderjährige Person liebevoll verbunden sein können.
Viel gefährlicher als die Gefahr einer etwaigen Behinderung , die bei gesunden Geschwistern im Normalfall gar nicht so extrem ist, wenn es nicht über Generationen hinweg stattfindet ,ist die Wahrscheinlichkeit des Machtmißbrauchs bzw des ausgeliefert sein eines Beteiligten. In der Regel wachsen Geschwister ja innerhalb eines Familiengefüges auf und jeder der Geschwister oder mehrere Kinder hat ,kennt die Kämpfe um Macht , Abhängigkeit, Dominanz usw.
Liebe ist ja neben dem Spiel der Pheromone und Hormone zu großen Teilen eine innere Haltung die man jemanden gegenüber einnimmt, auch etwas aktives, und nicht (nur) eine Himmelsmacht der man ausgelieferet ist und die über einen hereinbricht.
02. April 2008 um 10:13
@ Flocke: Liebe ist auch Verzicht? So habe ich das bisher nicht gesehen, nennen Sie mich ruhig naiv, vielleicht liegt es auch an den Umständen meiner Liebe: Sie sind nicht kompliziert. Doch es macht Sinn. Wenn der Preis für die Liebe der Verzicht auf Kinder wäre, würde man noch richtig “billig” davon kommen.
Welchen Sinn macht es jedoch, dem Paar die behinderten Kinder wegzunehmen?
02. April 2008 um 10:16
@ Astrid - ich würde nichts legalisieren, was einem Menschen weh tut. Geschwisterliebe - wenn von beiden Seiten empfunden - tut nur der Gesellschaft weh, weil es von dieser verurteilt wird.
02. April 2008 um 10:36
@ Meg: Ich meinte nicht den Verzicht auf die behinderten Kinder. Sämtliche Kinder die von den Beiden gezeugt wurden, liegen unbedingt in ihrem Verantwortungsbereich.
Ich meinte vielmehr den Verzicht auf weitere Kinder, also Verzicht aus Liebe gegenüber den Ungeborenen.
02. April 2008 um 10:41
@ Flocke - oh, Pardon, dann hatte ich es falsch verstanden. Ja, Du hast Recht.
02. April 2008 um 14:40
Es geht mir nicht um das Moralempfinden der Gesellschaft sondern um den Schutz vor sexuellem und Machtmißbrauch innerhalb der Familien, dem Ausnutzen von Abhängigkeiten und Ängsten, in dem Fall unter Geschwistern. Da passiert trotz diverser Gesetze schon genug. Das Geschwister sich als gleichberechtigte in den Entscheidungen freie Erwachsene erst kennen und lieben lernen, hat sicher eine eigene Dynamik und dürfte ehr die Ausnahme sein .
03. April 2008 um 10:47
schon interessant, dass der tenor hier ist, dass behinderung (in diesem fall meist geistige behinderung) als nicht lebenswert bzw. “zu unterbinden” angesehen wird. gut, es schränkt einige möglichkeiten bzw. “träume” ein, die in dieser gesellschaft heutzutage erreicht werden könn(t)en. etwas ausführlicher fällt meine ansicht hier aus.
03. April 2008 um 12:16
Das entscheidet jeder für sich alleine, sofern er dazu in der Lage ist. Wenn ich im Vorfeld weiß, dass die Chancen, ein behindertes Kind zu zeugen bei bis zu 50% liegt, würde *ich* mich für eine Adoption entscheiden.
03. April 2008 um 12:30
@ Tobias: Es ist ein gewaltiger Unterschied ist, ob man lebenslang - so lange die Eltern eben dazu in der Lage sind - die *Verantwortung* für das behinderte Kind trägt und sehr genau weiß, dass dieses Kind meist lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen ist, oder ob man “im Rahmen des Zivildienstes und durch diverse andere Beschäftigungen/Ereignisse eine Menge (geistig) behinderter Menschen kennenlernt”, für die man nur mal eben kurz die Verantwortung trägt.
Für mich bedeutet *Verantwortung* in diesem Fall bereits, auf die Zeugung des Kindes zu *verzichten* , wenn ich davon ausgehen muss, dass dieses Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit behindert zur Welt kommen wird. In diesem Fall würde ich in Erwägung ziehen, ein Kind zu adoptieren.
03. April 2008 um 12:31
@ Meg: Sorry… ich habe so lange über meinem Kommentar gebrütet, dass ich deinen noch gar nich gelesen habe. :oops:
Nun ja, zwei Doofe, ein Gedanke. :wink:
03. April 2008 um 13:02
@ Frau W. - nicht doch.
03. April 2008 um 17:50
wer definiert denn behinderung? und wer sagt, dass behinderung zwangsläufig mit lebenslanger pflege verbunden sein muss. behinderte haben probleme in “unserem” alltag zurecht zu kommen, das stimmt. aber wenn man ihnen ihren eigenen alltag gewährt, dann sind sie in vielerlei hinsicht selbständig und kommen auch gut ohne hilfe klar.
und was ist, wenn ihr schon schwanger seid (sagen wir mal 11. woche) und erfahrt, dass das kind möglicherweise behindert ist?
03. April 2008 um 18:01
@ Tobias - wir sollten jetzt nicht 3 Themen in einen Topf werfen.
1. Wenn ich VORHER mit dem Wissen um eine mögliche (bis zu 50%) Behinderung entscheiden kann, entscheide ich mich *dagegen*. Die Entscheidung kann ich sehr wohl treffen.
2. Es gibt die unterschiedlichsten Formen und Grade der Behinderung, auch hier sollte man nicht alles in einen Topf werfen.
3. Und zu Deiner Frage: Das kann kein Mensch pauschal beantworten. *Ich* kann es zumindest nicht.
13. Mai 2008 um 17:52
Sorry wollte das thema mal aufgreifen da ich selber in einer Geschwisterliebe bin und um davon abzusehen Kinder bekommen ist leider wirklich ein zu hohes Risiko wir beiden können keine Kinder bekomme und es geht uns trotzdem Blendent wen der 173ger nicht were und wir immer zugehageld werden würden
13. Mai 2008 um 20:10
@ Pärchen, vielen Dank für Deinen Eintrag … was meinst Du denn damit, dass ihr “zugehagelt” würdet?