Kotzkrampf!

geschrieben von Meg in MegLosophie Kommentar schreiben

Seit Tagen würde ich am liebsten mit den Fäusten gegen eine Wand donnern. Schreien. Ich bin sprachlos, wütend und entsetzt:

Was ist das für eine Welt, in der Menschen LITERWEISE Milch in die Gülle schütten, damit sie Druck ausüben können?

Was müssen sich Menschen denken, für die ein Becher Wasser die Lebenserhaltung bedeutet?
Ist das wirklich der einzige Weg, den man gehen kann? Milch tagelang, wochenlang in rauen Mengen WEGSCHÜTTEN, um einige Cent mehr zu bekommen? Kann sie nicht exportiert werden oder Käse daraus gemacht werden, welcher sich länger hält?

Ich bin gerade nicht in der Lage strukturierte Sätze zu bilden, Recherche zu betreiben und … logisch, wirtschaftlich zu denken. Das tut die Politik gerade auch nicht.

Milch. Weggeschüttet.
Manchmal kostet es mich etwas Überwindung, diese Welt zu ertragen.

46 Kommentare zu “Kotzkrampf!”

  1. Frau W.

    Genau so ging es mir am Wochenende. Anderswo sterben den Eltern ihre Kinder unter den Händen weg, weil sie verhungern. Hier kippen wir Milch weg, um den Preis zu erhöhen, und fressen uns überflüssige Kilos an, die wir mühsam wieder runterhungern müssen.

    Diese Welt ist so ungerecht, dass es mich krank macht.

  2. Meg

    Ich habe in der Geo ein Bild gesehen, welches mir echt den Atem genommen hat: Eine Frau stillte ihre … 10-jährigen Kinder, gleichzeitig. Sie wußte nicht, wie sie sie sonst ernähren kann. Alle drei waren so ausgemergelt. Und dann hörst Du in den Nachrichten, dass die Bauern (es kann doch nicht sein, dass es ihre einzige “Waffe” ist, verdammt!) literweise Milch vernichten.
    Tränen nützen da leider nichts … :mm:

  3. little james

    Genau das habe ich auch gedacht, als ich die Bilder gesehen habe. Man kann doch nicht literweise die Milch wegschütten. Verdammte Schande. MILCH!

    In OWL gibts jetzt übrigens eine Molkerei, die den Bauern statt der geforderten 40 Cent sogar 50 Cent gibt. Weil es nämlich geht. Hoffentlich ziehen andere mit.

  4. Tommy

    ich kann mir schlecht vorstellen, dass das die einzige waffe sein soll. und ehrlich gesagt kann ich auch nicht verstehen wie die bauern das mit ihrem gewissen vereinabren können. also ich könnte das nicht und deswegen macht mich diese reaktion krank! ich kann und will es einfach nicht verstehen wie man so unverantwortlich handeln kann!

  5. Meg

    @ James, sicher GEHT das. Ich habe sogar gehört, dass die Molkereien bereit wären, mehr zu zahlen, als die Bauern fordern, WENN sie sicher gehen könnten, dass das Geld auch dort ankommt und nicht vorher vom Fiskus noch beschnitten wird.
    Ich bin so unendlich traurig darüber … !

  6. Ingo unterm Sonnenschutz

    Über solche Sachen könnte ich mich auch Tagelang aufregen. Aber so ist das halt, wenn die Wirtschaft immer wirtschaftlicher Handeln will. Das war früher (vor 5 oder 10 Jahren) noch nicht so krass. Aber seitdem alle “Gewinnoptimieren” wollen, passiert so viel shice…

    Leute werden entlassen, damit der Konzern einige Milliarden mehr verdient, Milch wird weggeschüttet, weil das Geld nicht bei den Bauern ankommt, sondern bei irgendwelchen Geldgeilen Säcken, die Manager häufen sich die Kohle in der Garage an, weil das Konto schon zu voll ist, und gleich nebenann gehen die Betriebe pleite, weil irgendjemand falsche Entscheidungen getroffen hat…

    Aber solange jeder nur Optimieren und wirtschaftlicher sein will, solange gibt es halt solche Missstände in der Wirtschaft!

  7. Meg

    @ Ingo, das ist mein UNWORT des Jahres: “Gewinnmaximierung”, denn das hat immer Entlassungen zur Folge und eine Verlagerung der Wirkstätten ins billige Ausland.
    Glaubst Du, dass sich das jemals ändern wird? Ich nicht. Ich frage mich nur, was wir in 20-30 Jahren essen werden …

  8. StoiBär

    Ihr macht es Euch schon recht einfach. Die Bauern machen das sicher nicht freiwillig und das war die letzte Chance, etwas zu bewegen. Ich habe mit zwei Bauern im Bekanntenkreis gesprochen und beiden hat es auch in der Seele weh getan, dass sie die Milch weggeschüttet haben. Ein Bauer bei uns ist mit seiner Milch in die Schule gefahren und hat sie dort verschenkt. Die Hälfte der Kinder hat sie nicht geschmeckt, weil sie eben so war, wie sie aus der Kuh rauskommt und nicht mit 1,5% Fett.

    Etwas dagegen unternehmen könnt Ihr alle miteinander, indem Ihr nicht bei Lidl, Aldi und Co. die Billigmilch kauft, die teilweise ein paar hundert Kilometer auf der Straße war, weil es für den Transport Subventionen gibt. Es gibt viele Bauern, die froh sind, wenn die Kunden mit der Milchkanne kommen.

    Abgesehen davon hat die Lebensmittelvernichtung System. Oder glaubt Ihr, Benzin aus Zuckerrohr bzw. Gas aus Mais und Weizen zum machen ist besser? Das ist das, was den Hunger ausmacht.

  9. Markus

    Wie ich vorhin in der Zeitung las, drohen die Molkereien den Bauern mit Klagen, und das Kartellamt hat sich auch schon zu Wort gemeldet. Die prüfen, ob evtl. ein wettebewerbswidriger Aufruf zum Boykott seitens der Bauern gegeben ist.

    Ich persönlich möchte jedem Milchbauern, der mir über den Weg läuft, das Maul breitkloppen. (Obwohl ich eigentlich ein friedliebender Mensch bin)

  10. PinkPüppi

    Mir kommt die letzten Tage öfter mal die Galle hoch, wenn ich solche Dinge wie hier lese oder aus dem Mund von Bekannten und anderen höre.

    Generell muss man aufgrund diverser Umstände sogar sagen das tagtägliche tausende Liter Milch in den Gulli fließen, da der Bauer mehr produziert als er lt. Milchquote dürfte. Und da er auch nur für Milch die innerhalb dieser Quote bezahlt wird, hat er nicht mal ne andere Wahl.

    Das die Bauern sich schon seit Jahren darüber beschweren und dagegen ankämpfen das sie trotz steigender Produktionskosten nicht mehr für den Milchliter bekommen sieht in dieser ganzen Diskussion kaum einer.

    Das es natürlich in Zusammenhang mit solchen Bildern wie Hunger und Armut mehr als dekadent wirkt kann ich nachvollziehen. Aber dennoch sollte man nie vergessen das es hier um Deutschland geht. Um Deutsche Existenzen und Probleme.
    Soziales Engagement ist schön und gut, aber ab und an sollte man damit auch im Lande bleiben. Schlimm genug das viele Bauern versucht habe Ihre aktuelle Milch an Schulen, Kindergärten, Archeprojekte etc. zu verteilen und die Menschen diese “Natur” Milch nicht wollten. Das ist die Deutschewertschätzung des Produktesmilch…und JA in Afrika oder anderen Länder wären die Menschen undenkbar froh darüber. Dem Bauern sichert sich dennoch nicht ihre Existenz…und die Länder können sich bei Wegfall dieser schon mal überlegen wie Sie dann das brachliegende Land bewirtschaften ;)

  11. StoiBär

    @Markus: Die Klagen beziehen sich rein auf die Blockade von Zufahrten zu den Molkereien. Letztendlich ist das genauso ein Arbeitskampf um bessere Löhne wie in allen Berufsgruppen auch.

  12. Meg

    Ich finde nicht, dass ich es mir zu einfach mache, meine Lieben. Zum einen zahle ich für einen Liter Milch zwischen 1,30 und 1,40€, was ich als unverschämt erachte, wenn ich bedenke, wieviel davon letztendlich beim Bauern landet.
    Zum anderen, lieber Herr Stoibär, bekomme ich eine noch größere Wut, wenn ich Aussagen wie die Ihre lese: “Etwas dagegen unternehmen könnt Ihr alle miteinander, indem Ihr nicht bei Lidl, Aldi und Co. die Billigmilch kauft”. Ich freu mich sehr, dass Deine Frau und Du, dass ihr beide einen job habt, der es euch ermöglicht, eure Milch frisch NICHT beim Discounter zu kaufen. Ich habe leider keine Wahl, denn ich vertrage nur lactosefreie Milch und die kostet schon per se über 1€.

    Ich mache auch nicht die Bauern verantwortlich für dieses unglaubliche Desaster, welches hier passiert, sondern mal wieder die Politik. Und auch nicht die Menschen, die ihre Lebensmittel beim Discounter kaufen, weil sie sonst mit ihrem Geld nicht mehr hinkommen.

    Dennoch ENTSETZT es mich, wenn ich jeden Tag lese, wieviel Milch weggeschüttet wird und es entsetzt mich, dass die Bauern wohl nur diese eine Methode haben, um den Druck aufbauen zu können.

    Innerlich bete ich, dass es ihnen bald genügt, bevor andere Bauern ihre Ernte in den Gulli kippen müssen.

  13. Meg

    @ PinkPüppi, dann warten wir doch auf den Tag, an dem die Ölkonzerne das Rohöl wieder ins Meer pumpen, weil der Fiskus mehr bekommt als sie … ;)

  14. crosa

    Wacht endlich auf. Würden sie ihre Milch nicht wegschütten würde keine hungerndes Kind etwas davon haben. Diese miese Welt in der wir leben funktioniert leider ziemlich schrecklich. Uns geht es nur so gut weil es anderen so schlecht geht. Ich kann die Bauern sehr gut verstehen. Ich meine wie verzweifelt muss ich sein um so einen radikalen Schritt zu gehen ? Endlich formiert sich in diesem Land mal widerstand. Der Deutsche lässt sich doch alles bieten. Große Reden am Stammtisch und sonst immer schon klein beigeben.

    Natürlich ist es grotesk, aber was sollten sie sonst machen ? Jeden tag etwas mehr draufzahlen ? Ihre Höfe verkaufen ? Wer ist denn wirklich schuld WIR. Weil wir bei Lidl/Netto/ect einkaufen, und möglichst billig.

    JEDER hat die Möglichkeit Geld zu spenden nach Afrika/ 3. Welt, JEDER hat die Möglichkeit Patenschaften zu übernehmen…..

    Aber kackt bitte nicht die Bauern an. Sie haben keine andere Möglichkeit, das funktioniert nun mal nur so. Die Sache braucht mediale Aufmerksamkeit um Erfolg zu haben.

  15. Meg

    @ Crosa, ich kann das nachvollziehen. Wäre ich ein Milchbauer, würde ich auch so handeln. Ich finde es bloss erschreckend, dass man in dieser BUNDES-REPUBLIK zu solchen Maßnahmen greifen muss, weil sonst nichts passiert. Das ist so ätzend, erschreckend und widerlich.

    Dennoch: WIR sind nicht Schuld, das ist völliger Quatsch. WIR kaufen bei Lidl und Aldi ein, weil wir uns real,- , Hit und Rewe nicht leisten können, verdammt nochmal! Warum tut ihr denn immer so großkotzig?! Kaufst Du die Milch für 1€ weil Du sie Dir leisten kannst? Weil sie besser schmeckt? Weil Du nicht darüber nachdenkst, wenn Du den € ausgibst oder weil Du Dir Gedanken um die Milchbauern machst? Ehrlich jetzt!

    Ich kacke die Bauern nicht an und Du hörst auf, die Leute anzukacken, die für das Geld, welches ihnen zur Verfügung steht, das kaufen, was sie sich leisten können.

  16. Frau W.

    Schön zu wissen, dass ich die Welt retten und all ihre Probleme lösen kann, wenn ich nicht mehr beim Discounter einkaufe. :cool:

    Ich bin auch dagegen, pauschal auf die Milchbauern einzudreschen, denn niemand kann es sich leisten, umsonst zu arbeiten/zu produzieren.

    Aber alle Probleme, bwz. deren Lösung daran festzumachen, ob jemand beim Discounter einkauft oder nicht, ist ein bisschen arg kurzsichtig. Und ihr geht tatsächlich davon aus, dass alle Produkte der Nicht-Discounter fair hergestellt und vertrieben werden? Frage mich, wer hier aufwachen sollte …

    Dann könnten wir - passend zur EM und den olympischen Spielen - gleich mal das Thema “Markenklamotten” von Adid*s, N*ke & Konsorten [ und wohl auch allen anderen Bekleidungsherstellern aus dem Nicht-Sportsegment] auf den Tisch bringen und erörtern, wie sie hergestellt werden, wie die Arbeiter behandelt werden, die den Luxuskram herstellen und was für wahnsinnige Gewinne dabei anfallen - von denen die Arbeiter leider nichts haben. Aber ich nehme an, dass niemand diese Markenware trägt …

  17. Frau W.

    Nachtrag: Ich nehme den letzten Part [Markenklamotten] zurück. Hier geht’s um Milch und nicht um die Klamotten. Sorry. :oops:

  18. Meg

    Als ob Müller nicht auch für Discounter produzieren würde … :roll:

  19. crosa

    @meg
    Ich empfinde mich nicht als großkotzig, aber das Urteil soll sich jeder selber bilden. Natürlich tuts am Geldbeutel weh, aber nur der Verbraucher kann etwas ändern. Sieh dir doch mal an wie Mitarbeiter bei gewissen Discounter gegängelt, bespitzelt, zum teil erpresst werden, nur damit sie Produkte zu Preisen verkaufen können die einfach völlig unrealistisch sind.

    Ich brauch nicht jedes Produkt jeden Tag. Lieber einen Tag verzichten und ein “faires” Produkt kaufen. Ich will keinen ANKACKEN. Nur wie schon gesagt, es wird sich nichts ändern, solange wir dankbar und ohne nachdenken Lebensmittel zu preisen einkaufen die einfach krank sind.

  20. crosa

    Ach stimmt ja, ganz genau. Macht eh alles keinen Sinn. Regen wir uns lieber ein bisschen auf, machen gar nix. :anbet:

  21. Frau W.

    @ Crosa: Ihr kauft tatsächlich alle Produkte des täglichen Lebens, die fair produziert werden, also mit dem Fair Trade Siegel versehen worden sind?! Finde ich sehr bewundernswert.

    Frage:

    a) Wo bekommst du diese Sachen? In meinem Nicht-Disounter ist die Auswahl dieser Produkte sehr begrenzt und deckt nicht alles ab, was wir täglich benötigen. Fahre ich nun durch die halbe Stadt, um meinen “fairen” Kram zu besorgen, ist das kontraproduktiv.

    b) Wie viel bezahlt ihr dafür? Die Preise dieser Produkte sind so hoch, dass wir es uns als dreiköpfige Familie leider nicht leisten können, nur diese Produkte zu kaufen. Wie könnt ihr das mit eurem Haushaltsbudget vereinbaren?

  22. Meg

    Ich fände es schade, wenn man hier keine Diskussion führen könnte, ohne gleich so irrsinnig sarkastisch zu werden, Crosa.
    Eine Diskussion ist nichts anderes als eine Unterhaltung, auch mit konträren Meinungen.
    Aber die Lösung für das Problem kann und darf nicht lauten: “Wenn wir die Discounter meiden, wird alles gut”. Das ist absurd.
    In Deutschland ist die Kluft zwischen reich und arm mittlerweile ernorm groß geworden und ich kann nachvollziehen - zumal ich es selbst am Geldbeutel merke - dass man für 20€ bei Lidl mehr bekommt als bei Edeka und dem Endverbraucher es darauf ankommt, dass er für möglichst wenig Geld das meiste bekommt. Kannst Du es jemandem verdenken, der 1-4 Kinder zu ernähren hat und 1000€ Brutto nach Hause bringt?
    Großkotzig bist nicht Du, sondern ist in dem Zusammenhang Deine Aussage:

    “Wer ist denn wirklich schuld WIR. Weil wir bei Lidl/Netto/ect einkaufen, und möglichst billig”

    Ich sehe die Schuld nicht bei den Menschen, die beim Discounter kaufen.

  23. doggz

    ich verstehe dein argument, meg … die andere seite aber sehr wohl auch! …allerdings hat bereits ein landwirt seine milch an die bewohner sein stadt verschenkt, und ein paar andere werden da bestimmt noch folgen.

  24. crosa

    @frau W.
    Natürlich ist es nicht möglich komplett am Discounter vorbei zu kaufen. Ich versuche mein Fleisch beim Metzger zu kaufen, meine Eier beim Bauernhof um die Ecke und mein Brot bei einem echten Bäcker und keiner großen Kette. Natürlich klappt das nicht immer, denn die Zeit ist einfach nicht immer vorhanden. Ich habe keine Kinder und wir sind doppelverdiener, natürlich tun wir uns da leichter. Es geht auch nicht um die Verteufelung aller Discounter. Aber Geiz ist Geil geht nach hinten los…

    @meg
    Es geht nicht darum alle Discounter zu meiden sondern darum ein gewisses Verständnis dafür zu entwickeln dass gewisse Produkte einfach einen gewissen Preis haben. Und wird dieser unterschritten, stimmt was nicht. Und nur wenn wir sie nicht kaufen, oder weniger kaufen können WIR etwas dazu beitragen.

    Natürlich ist das provozierend und überzogen ausgedrückt, das WIR sind schuld, aber letztenendes stimmt es doch. Denn wir legen immer weniger Wert auf Qualität und faire Arbeitsplätze. Der klassische Einzelhandel ist schon so gut wie ausgestorben.

    Das mag naiv klingen, dieses wenn ich als einzelner etwas nicht kaufe, anders kaufe würde das etwas ändern. Aber ich bin nun mal naiv.

    Wer 4 Kinder hat und das Geld hinten und vorne nicht reicht hat mit Sicherheite weniger eine Wahl. Aber es gibt genug Leute die ein Wahl haben. Ob das viele sind, eine gute Frage…

  25. Meg

    Crosa, ich denke an die dankbaren Menschen, die bei KIK für 10-20€ ihr Kind einkleiden. Denke an die Menschen, die 20€ Essen-Budget für 4 Mann/Tag haben und Doseneintöpfe essen. Ich denke an die Leute, die nicht zum Metzger können oder zum Bäcker und dann … dann lese ich die Tageszeitung jeden Tag, lt. der die Kluft zwischen arm und reich rasant wächst, lt. der sich die Armut in Deutschland schnell verbreitet und wir schon lange kein A-Wohlstandsland sind - zumindest nicht in der Arbeiterklasse. Dann denke ich an die Benzinpreise, an den Kilo-Preis für Paprika und an die sinnfreien Diskussionen darüber, dass Hartz IV-Eltern ihre Kinder nicht gesund ernähren … und all das und noch viel mehr … kotzt mich an. Und dann … dann werde ich unsachlich.
    Dennoch … naiv bin ich auch. Auch wenn ich die Meinung vertrete, dass ich zu arm bin, um billig zu kaufen, mache ich bei Lebensmittel -so fern es geht und vergleichbar in der Qualität ist - eine Ausnahme und kaufe beim Discounter. Außer meine Milchprodukte …

  26. Meg

    @ Mirco, das habe ich gelesen - allerdings werden das nicht alle machen (das Annehmen, meine ich), denn eine Milch, die frisch von der Kuh kommt, schmeckt einfach anders … und kippt auch schneller.

  27. Frau W.

    @ Crosa: Verstehe.

    Siehst du, und genau darum fragte ich nach den Fair Trade Produkten. Ob ich meinen Kram nun im Discounter hole, oder in irgendeinem anderen Supermarkt ist meiner Meinung nach Augenwischerei und Selbstbetrug. Das mit dem Brot und dem Fleisch handhaben wir auch so, wie ihr. Des Weiteren geht es mir nicht nur um Lebensmittel, sondern um alle weiteren Produkte, die man hier so benötigt oder glaubt, sie unbedingt haben zu müssen. [Dazu gehört auch die Bekleidung. Machst du dir um die Herstellung deiner Kleidung auch so viele Gedanken, wie um die Herkunft deines Schnitzels?] Allerdings schwant mir, dass wir aneinander vorbeireden. Du redest vom deutschen Einzelhandel, ich von Menschen in den Ländern, die wir ausbluten lassen, damit wir billig kaufen können. Aber das würde jetzt zu weit führen.

  28. Meg

    Man könnte die Milch auch in andere Länder verschenken … bevor man sie wegkippt.

    Doch die Krux ist nicht der einzelne Bürger, der hier oder da einkauft. Die Krux ist die Politik.
    Und bevor hier noch einer sagt, ich würde es mir zu einfach machen: :droh:

  29. crosa

    @meg
    ja natürlich ist es toll dass die Kinder dort für 10EUR eingekleidet werden können. Schlimm ist nur, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Klamotten von Kinden in Arbeitslagern hergestellt werden, bei den Preisen. Spritpreise…. ja, ganz böses Thema. Wann fahren wir weniger Auto ? Wenn der Sprit teuer ist. Ergo wäre es richtig den Sprit noch teurer zu machen. Allerdings denkt der Staat ja nicht im Traum daran den geringverdiener beim Sprit ordentlich zu entlasten, oder den Pendler der einfach fahren muss.

    Oder Jobs die weniger Geld bringen als Hartz IV.

    Ich hoffe die Bauern können sich durchsetzen. Ich möchte nicht irgdendwann holländische oder amerikanische GENmilch trinken müssen…

  30. StoiBär

    @Meg: Zu den Discountern zähle ich auch Rewe,Edeka und Real. Klar sind wir Doppelverdiener und uns geht es gut, klar kann ich mir da mehr leisten als ein Hartz-IV-Empfänger. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass die Leser hier alle nicht am Hungertuch nagen und sich Milch für 1,30 statt 1,10 Euro leisten könnten. Bei vielen Menschen ist es aber auch so, dass sie gar nicht viel Geld ausgeben wollen für die Nahrungsmittel. In kaum einem europäischen Land wird so wenig für Lebensmittel ausgegeben wie in Deutschland. Lieber sparen wir am Essen als an TV, Handy, Urlaub oder Auto. Es ist immer eine Frage der eigenen Wertigkeit, die man gegenüber etwas hat. Die richtig Armen in Deutschland nehme ich jetzt mal aus.

    Bei uns hier in der Arbeit gibt es Milch von Netto, die irgendwo aus Mek-Pom kommt. Bis die bei uns in der Küche ist, hat sie also rund 600 Kilometer auf dem Lastwagen verbracht. Im Cafe unten gibt es Mineralwasser aus Italien. Das ist für mich Irrsinn.

    Was die Bauern derzeit machen, ist ein Arbeitskampf, wie ihn jede Gewerkschaft durchführt. Die Streikmaßnahmen sind andere, klar. Milch wegschütten ist nicht schön - richtig. Wenn Du aber Milchpulver nach Afrika verschenkst, erreichst Du genau das Gegenteil von dem, was Du bezweckst möchtest. Dieser Fehler wurde Jahrzehnte von der Entwicklungshilfe gemacht.

    Neulich sah ich eine Reportage über ein Dorf in Mali. Dort gab es einen Bauernhof mit 4 Mitarbeitern. Die erzeugten 30 Liter Ziegenmilch fahren sie täglich 10 Kilometer mit dem Rad in die Stadt. Das war ein Geschäft, wo die alle davon leben konnten. Bis dann vor 6 Monaten ein niederländischer Lebensmittelriese angefangen hat, Überbestände dort zu Minipreise zu verkaufen. Jetzt bleiben sie auf ihrer Milch sitzen. Ähnliches gilt für die Altkleider, die bei uns regelmäßig gesammelt werden. Am meisten verdienen daran europäische Händler und Schiffseigner. In Kenia ist die Textilwirtschaft zusammengebrochen, seit der Markt mit europäischen Altkleidern überschwemmt wird.

    Wenn Du aktiv was beitragen möchtest, dann schau aufs Fair-Trade Kennzeichen. Damit hilfst Du wirklich.

    Wenn man mit der Milch anfängt, kommt man mit der Diskussion schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Irgendwann stellt man dann fest, dass die Welt einfach schlecht ist. Mit jedem Euro kannst Du aber jeden Tag etwas unternehmen, dass sie wieder ein klein wenig besser wird.

  31. crosa

    @frau w.
    Nein, das macht sehr wohl einen Unterschied. Für mich gibt es N*tto (Erst gestern wieder in den Medien, Stichpunkt Erpressung) und konsorten. Und den “Supermarkt” wie Rewe und Co. Und natürlich das jeweilige Produkt, welches ich kaufe. Natürlich ist das in gewisser weisse auch eine sache des Budgets. Ich kaufe so gut wie keine Klamotten, weil es mir schlicht egal ist, also nur das absolut nötigste. Somit bleibt mir mehr Geld um beim Essen weniger auf den Preis sehen zu müssen. Ich kaufe deshalb aber nicht billg Kleidung, wobei gerade bei Klamotten die Herkunft (Stichwort Kinderarbeit) ein schwieriges Thema ist. Marke schützt vor Schaden nicht. Mein Lieblingssupermarkt ist EWN, ein Unternehmer hier aus der Gegend mit grösstmöglicher Produktauswahl im Bereich regional..

  32. StoiBär

    Also das @Meg bezog sich nur auf den ersten Satz. Der Rest ging in die ganze Diskussionsgruppe.

  33. Lilo

    @crosa:
    “Wir” sind ganz sicher nicht schuld, weil wir bei Lidl & Co. einkaufen. Und es MUSS möglichst billig sein, weil man/wir sonst nicht über die Runden kommen! Es wird alles teurer, aber die Löhne bleiben gleich. Also muss man zusehen, dass man für wenig Geld möglichst viel bekommt.

    Und wenn man selbst jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann kann man nicht auch noch Geld für andere spenden. Das sollen dann bitteschön diejenigen tun, die sich Politiker nennen - denen wächst das Geld ja schon aus den Zehennägeln.

    Gruß,
    lilo

  34. crosa

    @lilo
    leider besteht da ein kausaler zusammenhang, mit den immer billiger werdenden waren und den immer niedrigeren löhnen. politiker sind figuren im kasperlertheater multinationaler großkonzerne deren entscheidungen durch ihre lobbyisten umgestzt werden. nein, ich habe keine richtige lösung für das problem…

  35. Murmel

    Ein schwieriges Thema, bei der ich sowohl die eine Seite (Landwirte) als auch die andere Seite (z. B. Meg) verstehen kann.

    Die Milchbauern setzen ein Zeichen, so wie es vorher zig andere Berufsgruppen in Streiks & Co. ebenfalls getan haben. Brisant an der Sache ist, es ist keine Dienstleistung sondern ein Grundnahrungsmittel der Bevölkerung. Klar ist es Mist, die Milch im Erdboden versickern zu lassen, aber eine andere Lösung? …. Mir fällt nichts ein, was mir mehr wehtun würde, als irgendwann keine Milch und –produkte kaufen zu können. Sie tun ja nicht nur uns weh, sondern auch sich selbst. Verdienstausfälle … usw.

    Diese Diskussion über Discounterkäufe oder Biohof geht mir schon sehr lange auf den Geist. Viele der großen in den Augen einiger Endverbraucher „besseren“ Molkereien produzieren genau auch für diese Ketten. Und ich glaube, es geht hinter den Kulissen vieler Großkonzerne viel mehr ab was Überwachung betrifft, als wir uns alle erträumen.

    Es geht mir einigermaßen gut, ja. Ich nage nicht am Hungertuch, aber ich muss auf mein Geld achten, weil z. B. die Gesundheitsreform für solche chronisch kranken Menschen wie mich nicht mehr viel über hat. Ich zahle viel selbst und hätte bei den Summen der letzten 10 Jahre schon eine kleine ETW kaufen können. Also wer entscheidet ob man immer soviel hat nicht bei den Ketten sondern den inhabergeführten Läden zu kaufen?

    Für mich kann man es drehen und wenden wie man mag.
    Die Regierung ist am Zug.
    Niemand sonst.

  36. nicole

    Es ist aber tatsächlich so, dass es den Menschen nur noch um den Preis geht. Jeder will alles billig - so billig wie möglich! Ich erlebe das jeden Tag am Telefon, dass die Kunden sagen ‘Bei der Konkurrenz kostet ein Komplettpaket aber nur 29,95 Euro im Monat!’. Klar, wenn’s einem nur um den Preis geht - bei uns gibt’s eben gute Qualität und guten Service :)
    Aber um nochmal zum Thema zu kommen: ich verstehe Dich, Meg - aber ich verstehe die Bauern auch. Und ehrlich gesagt würde es mir nicht wehtun, für meine Milch ein paar Cent mehr zu bezahlen. Ich brauche nur etwa 8-10 Liter im Monat, da kann man das verkraften - aber es müsste auch wirklich bei den Bauern ankommen, das Geld!

  37. Frau W.

    @ Crosa: Sehe ich, wie gesagt, anders und verweise - wie Herr StoiBär - aufs Fair Trade Siegel. Du kaufst nicht “fairer” oder “besser”, nur weil du teurer kaufst. Die Produkte, die du aus regionalem Anbau beziehst, klammere ich dabei mal aus. Es gibt bei den Supermärkten keine Abstufungen von “gut”, “bisschen gut” und “ganz böse”. Das ist Selbstbetrug.

    Falls es dir nicht auffällt: Wir reden aneinander vorbei. ;-) Dir geht es um die Arbeitsbedingungen in den hiesigen Discountern. Mir - zumindest in dieser Diskussion - nicht.

    Und bzgl. der Bekleidung - deren Herstellung durchaus nicht nur durch die von dir zitierte Kinderarbeit probelmatisch ist, verweise ich einfach mal auf die CIR und deren Kampagne für saubere Kleidung. Dort wird alles gesagt, was man zum Thema wissen muss.

    Zum Thema “Geiz ist geil”: Mit dieser Einstellung sägen wir uns den Ast ab, auf dem wir sitzen, das ist schon klar. Dennoch bleibt uns nichts anderes übrig. Wir fahren seit Jahren nicht in den Urlaub, weil es einfach nicht drin ist und wenn das Auto nicht mehr durch den TÜV kommt, haben wir ein Problem. Teure Freizeitunternehmungen sind gestrichen, kostspielige Ausflüge mit, bzw. für den Junior auch. Und das, wo wir beide arbeiten (1 Vollzeit + 1 Teilzeitgehalt). Auf Kommentare wie diese:

    “Wer ist denn wirklich schuld WIR. Weil wir bei Lidl/Netto/ect einkaufen, und möglichst billig.

    JEDER hat die Möglichkeit Geld zu spenden nach Afrika/ 3. Welt, JEDER hat die Möglichkeit Patenschaften zu übernehmen…..”

    reagiere ich allergisch. Wer die finanziellen Verhältnisse von anderen Menschen nicht kennt, sollte nicht von sich selbst auf andere schließen.

    @ StoiBär: Das Problem ist es doch nicht, wenn wir 0,20 oder 0,40 Ct mehr für den Liter Milch bezahlen müssen. Das Problem ist, dass die Preise in allen Lebensbereichen so gestiegen sind, dass das Geld vorne und hinten nicht mehr reicht und es mir als Verbraucher momentan leider schlicht unmöglich ist, die Dinge zu kaufen, die ich gerne kaufen würde. Ich rede nicht von Luxuskram, sondern von “fairen Produkten”. Das frustriert einfach.

  38. crosa

    @frauW
    mit WIR meine ich nicht die Leser diese Bloggs sondern dieses Land in dem wir leben. Dann verkürze ich mal. WIR sägen alle auf dem Ast auf dem wir sitzen, mit Geiz ist geil. So als kleinster gemeinsamer Nenner. Über deine persönlichen, oder die irgendein eines anderen Lesers persönliche Vermögensverhältnisse/Einkommen/Ausgaben/Kosten usw weiss ich nix, über meine weiss auch keiner was. Mit WIR meinte ich wie gesagt Dieses Land in dem ich lebe.

    Tut mir leid wenn ich hier einigen mit bewusst provokanter, weil wütender(auf die Zustände) Verallgemeinerung auf die Füsse getreten bin.

  39. Frau W.

    @ Crosa: Na mir bist du nicht auf die Füsse getreten. Ich habe nur was gegen Verallgemeinerungen, weil das für mich Stammtisch-Niveau ist. Auf den kleinsten gemeinsamen Nenner können wir uns gerne einigen - in diesem Punkt. Sonst liegen wir eh meist auf einer Wellenlänge. ;-)

    @ Meg: :oops: Brich doch nicht mehr solche Diskussionen vom Zaun. Verdammt. Schreib über uninteressante Themen. Kannst du das?! Ich wollt doch heute gar nicht so viel diskutieren, sondern selber schreiben. :flenn:

  40. Meg

    Uninteressante Themen?
    Verdammt, das ist bestimmt eine Fangfrage, hm?
    ;)

  41. Hilli

    durch eure diskussion habe ich zwei dinge gelernt: 1. fair trade, das kannte ich vorher nicht *ascheaufmeinhaupt* und 2. ich weiß, warum ich solche themen in meinem blog meide, denn ich finde es wahnsinnig schwierig schriftlich zu diskutieren. das bewahre ich mir dann für meine gesprächspartner, denen ich dabei ins gesicht gucken kann, auf. nichtsdestotrotz finde ich es gut, dass jeder seine eigene meinung hat, egal wie unterschiedlich sie auch ausfällt -diskussionsrundegeschlossen- ;)
    die stille diskussionsbegleiterin

  42. PinkPüppi

    Wow…ich bin ja immer wieder erstaunt welcherlei Diskussionen bei euch beiden so vom Zaun gebrochen werden. Und manchmal empfinde ich es als sehr schade das scheinbar solche Diskussionen nicht weiter in höhere Reihen vordringen.

  43. Meg

    @ Hilli, da stimme ich Dir zu, es ist nicht einfach. Ohne Mimik und Gestik, ohne direktes Nachhaken birgt eine schriftliche Diskussion einige Tücken. Dennoch habe ich es sehr begrüsst, dass sich einige so intensiv zu Wort gemeldet haben.
    Und Du hast sogar noch was gelernt - wunderbar! :)

    @ Püppi, nur nicht die Hoffnung aufgeben, vielleicht wird es noch hoch gespielt ;)

  44. Tobias

    auch wenn ich durch denn rss-fred mal wieder viel zu langsam bin und mir eine rege diskussion nur noch nachlesen kann, anstatt mich zu beteiligen möchte ich trotzdem noch etwas anmerken, was bisher noch gar keine berücksichtigung in dieser runde gefunden hat.

    ein preisanstieg bei rohmilch macht sich nicht nur in 20cent mehr für den liter milch bemerkbar. vielmehr wird der preisaufschlag bei allen anderen produkten bemerkbar werden, die milch enthalten … angefangen bei joghurt, käse und vollmilchschokolade über babynahrung und teilweise sogar backwaren. am anfang des jahres hatten wir schon einmal einen erheblichen preisschub und gerade ich als einzelhändler habe gesehe, wo der schub sich alles ausgewirkt hat.

    und meiner meinung nach muss keiner sich wirklich gedanken um seine private milchversorgung machen. die preise werden beizeiten wieder sinken und alles ist vergessen … viel mehr sorgen mach ich mir da um nicht-regererierbare energien/rohstoffe … siehe ölpreis.

  45. StoiBär » Blog Archiv » 43 Cent

    [...] möchte ich noch auf einen Beitrag bei Meg, aus dem gestern eine heftige Diskussion entstand. Tags für diesen Artikel: Genfood - [...]

  46. Meg

    … und ich mir um die Wirtschaft im allgemeinen … :???:

Schreib mal wieder