Mitgefangen
- on 08.02.10
- Daily thoughts
- 16 Comments
Es gibt eine Liebe auf dieser Welt, die unerschütterlich ist. Es ist gut so, dass es diese Liebe gibt, sonst gäbe es uns Menschen gar nicht. Sie schützt uns davor, dass wir ohne Eltern aufwachsen, sie schützt uns davor, dass wir verprügelt werden. Sie trägt jedoch auch eine Menge Schuld: Sie ist Schuld, wenn unsere Freunde plötzlich nicht mehr mit uns spielen wollen, nachdem sie den Geschichten unserer Mütter gelauscht haben, die verrieten, dass es schon x Jahre her ist, dass wir das letzte Mal in die Hose gemacht haben oder immer noch am liebsten mit dem Daumen im Mund und dem abgewetzten Hasen im Arm, Selbstgespräche führend einschlafen.
Die Liebe untergrub unsere Autorität, indem sie uns als Warmduscher, Kuschler oder Mama-Kinder darstellte. Und dennoch verlieh sie uns Super-Helden-Kräfte, wenn wir mit undefinierbaren Werken nach Hause kamen, die jeden Psychologen in Alarmbereitschaft versetzt hätten und unsere Mütter uns mit vor Stolz geschwellter Brust lobten und die Keksdose aufmachten, die hässlichen Werke tapfer an den Küchenschrank hängend und in uns bereits den nächsten berühmten Neo-Expressionisten sehend.
Diese Liebe ist die Mutterliebe. Die Natur hat das schon ganz clever eingerichtet, denn seien wir mal ehrlich, die wenigsten faltigen, gequetschten, knallroten, mit Schmiere bedeckten Neugeborenen sind entzückend und schön, dennoch halten uns unsere Mütter in der ersten Sekunde unseres Lebens auf dieser Erde für die schönsten Babies, die jemals geboren wurden. Ich hatte ein abstehendes Ohr und in diesem einen Knick, habe mit Sicherheit geschielt und lag quasi auf der Fußmatte des Wagens – herrjeh, schön war das nicht. Dennoch, sie liebte mich. Sie liebte mich auch, als ich 3 Tage kotzend und mir die Seele aus dem Leib scheissend über dem Nachttopf hing, weil ich mißverständlicherweise die 100er Packung Süßstoff von meinem Diabetiker-Opa gefuttert habe. Ihre Liebe wurde nicht weniger, als ihr die Hauswirtschaftslehrerin ans Herz legte, mir keine spitzen Gegenstände in die Hand zu geben und am besten beide linken Hände auf dem Rücken zu binden, sie verteidigte mich so gut sie konnte, als ich im ersten Schuljahr mit blauen und schmerzenden Händen nach Hause kam, weil meine “böse” Hand ständig mit dem Lineal der Lehrerin in Berührung kam. Sie gab ihre Hoffnung auf, als sie mich aus der Kinderklinik abholte, wo ich mit der Häkelnadel zwischen den Fingern eingeliefert wurde und hatte ein Einsehen, als ich Oma beinahe mit den Stricknadeln perforierte.
Doch ihr größter Liebesbeweis an mich hängt heute noch in ihrer Wohnung:
Ich schäme mich heute noch für diese Abscheulichkeit. Fragt nicht, was es werden sollte, ich habe keine Ahnung.
Es war das letzte Mal, dass mich irgendeine Autoritätsperson zum nähen, häkeln, stricken, etc. zwang.
Und doch kann sie ganz jäh enden mit dem Satz
” Du warst eigentlich ein Unfall und ich wollte Dich nicht haben…”
Ich war Anfang 30 als sie mir das gesagt hat..
Liebe Meg,
liebe das Mutterherz, solange es schlägt,
wenn es zerbrochen ist, dann ist es zu spät..
Schöne Zeilen hast du gefunden, obwohl ich auch ein “wenig” in die Jahre komme, sie sorgt sich immer noch, schön das es sie noch gibt..lieber Gott, hole sie noch so schnell, ok.
P.S. Das Foto kannst du gerne mopsen haben, reichen dir die 1000*600 Pixel..?
Das ist ein Charakter-Teddy, das sieht man doch sofort!
Für mich ist das eine Maus und ich finde sie ganz entzückend! Und ich kann Fred nur zustimmen: Liebe sie ebenso, und sag ihr das, solange es geht, so oft es geht, so bewusst, wie es geht. Ich frage mich so oft, ob ich ihr, als sie noch bei Bewusstsein war auch gesagt habe, wie sehr ich sie liebe und nicht nur, dass sie keine Angst haben solle (eine Phrase, denn natürlich hatte sie Angst und ich auch … und mit Recht).. Es gibt so vieles, darüber machen wir uns wenig Gedanken, denn wir sind jung, es geht uns gut, auch das ist ein gewisser, richtiger, Selbstschutz. Und irgendwann holen uns Fragen über Fragen ein, auf die wir hätten vielleicht Antworten bekommen können, wenn wir sie rechtzeitig gestellt hätten…
P.S. Herr rundumkiel schreibt immer Frau rundumkiel, ich finde es schade, aber er teilt meine Sichtweise nicht. Bin gespannt, was er Dir antwortet und was Du dazu sagst
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Ich sehe darin eine kleine dicke freundliche Maus.
Mutterliebe … klar, sie ist was Besonderes. Sie kann aber auch sehr egoistisch sein. Und ich weiß, wovon ich schreibe :-(
Vielen Dank dem
Nebelkind
und GZi
Viele Grüße, Fred
Liebe Meg, deine Smileys..sind so toll.
Macht echt Spaß mit denen zusammen zu arbeiten.
@ Fred, in diesem Artikel geht es mir eher darum zu zeigen, dass Liebe blind macht
Auch Mutterliebe, denn seien wir mal ehrlich: Dieses DING ist potthässlich, aber meine Mama schmeißt es nicht weg. Sie ahnt, dass ich sonst nichts Kreative vorweisen werde
P.S. Freut mich, dass Du die Smiliey magst.
@ Nebelkind
Charakter-Teddy? 
Ja, stimmt. Was sonst! Ich glaube jedoch, dass es ne Maus werden sollte
@ GZi – Maus! Du hast es erkannt! Es soll ne Maus sein, auch wenn der Schwanz dafür wohl etwas zu lang ist, sei es drum!


Ich liebe meine Mama und das sage ich ihr jedes Mal, wenn ich sie sehe oder höre. Ich freue mich sehr darauf, sie zu besuchen, bei meinen Eltern zu übernachten und für eine Nacht Kind zu sein, das betüddelt wird. “Hier, zieh die dicken Socken an”, “Lauf nicht barfuß”, “Nimm die Decke”, “Schling nicht so”, “Nimm Honig statt Zucker”
Ich geniesse es!
Hast Du auch sowas tolles mal gebastelt und Deine Mama hat es tapfer aufgehoben?
@ Maksi
Maus! Genau!
bei meinen eltern steht auch noch so ein unfall im wohnzimmer im bücherregal
es sollte ein kaktus werden, aber sieht aus wie ein grüner haufen auf sand 
übrigens, man erkennt wirklich dass es ne maus werden sollte. allerdings musste ich 2x hinschauen
@ Tommy
Ein Haufen auf Sand? Sehr geil! Aus was ist es denn gemacht?
Ich glaube meine Mutter hat aufgehört zu lesen, als ich ihr mal ein “Lesezeichen” aus Holz schnitzte …
Schön, dass Du wieder hier schreibst
Oh, ich glaube, bis zuletzt hatte sie selbstgehäkelte Topflappen (Grundschule!) von mir immer mal wieder im Gebrauch (nicht sie selbst, aber prinzipiell halt in der Küche)… Sicher gab es immer mal wieder Gebasteltes, Gestricktes, aber ich kann mich nicht speziell für sie nicht erinnern… Zu viel haben wir dann nach ihrem Tod weggeworfen… Aber mein Vater trägt bis heute einen von mir (bestimmt vor 25 Jahren) gestrickten Pullunder zur Gartenarbeit. Dafür hatte ich ihn damals natürlich keineswegs gemacht, gleichwohl hat er sich aber anscheinend perfekt bewährt, mittlerweile total verfilzt liebt mein Vater dies “Ding” immer noch, weil es so schön warm hält :-)
Liebe Meg, ich bin den Text nochmal durch gegangen. Du meinst das einem Wege der Entfaltung genommen werde, selbstständig zu werden..eben die freie Entfaltung ist wichtig. Meine Mutter sagt wenn wir uns treffen immer oder “fast” immer, du “siehst aber schlecht(obwohl super drauf bin) aus” oder selbst wenn es Partnerinnen gab dann meinte sie oft “kochen sie auch täglich und gesund” oder auch “Hast du Obst zu Hause”…das kann oft sehr nerven. Oft wird bei vielen die Mütterliche Angst eingeflößt, die manche ihr Leben lang nicht loswerden. ja klar das jetzt verstehe ich dich..loszulassen ist auch so ein Lernprozess für die Mütter, viele schaffen es niemals. Viele Grüße, Fred
liebe meg,
dein text treibt mir die tränen in die augen und ich bin froh, seit langer zeit mal wieder auf den virtuelles ich geklickt zu haben.
so toll es ist, solche wurzeln zu haben, so schwierig ist es im leben, wenn man diese wurzeln missen muß. leider hat meine mutter wenig von alldem, was du schreibst. ein verlust, den ich erst richtig spüre, seit dem ich eigene kinder habe.
aber dafür habe ich herzige freunde.. wie meg :-)
schönen abend..
Du hast damit einen Trend gesetzt!
Du glaubst ja nicht was auf der Spielwarenmesse heute für Hässlichkeiten unter den Plüschtieren zu finden waren und keins davon war definierbar. Gesichter mit ge-X-ten Augen und Reißverschluss-Mündern verkauften sich hervorragend.
Wer hat die Rechte für Deine Figur???
Mir gefällt die Maus… Du hättest mal meine Bilder aus der Grundschule sehen sollen – völlig untalentiert. Dagegen ist deine Maus ne glatte 1 …
@ GZi - Du hast gehäkelt, das ist ja sensationell! Wie bereits beschrieben, endete mein sehr kurzer Ausflug in die Häkel-Szene mit der Nadel zwischen den Fingern – und die hat einen fiesen Widerhaken :cry:
Das mit dem Pullunder finde ich allerdings in der Tat sehr süß und rührend!
@ Fred, oh, meine Mutter hat erst vor wenigen Jahren richtig losgelassen, erst als sie mich endlich glücklich wähnte. Und das finde ich sehr gut
@ Hans
Ich bin sicher, dass Deine beiden Lütten mal solche und noch bessere Erinnerungen haben werden, wie ich sie habe
@ Tollsucht, Du machst mir Angst! Meine MausRattePuppeTier gehört Mama, sie hat alle Rechte, sogar das Recht das Viech in den Müll zu werfen
@ rundumkiel – hast Du auch mal ein Lesezeichen aus Holz gemacht, welches ca. 10 cm dick war? Eignete sich ganz toll als Lesezeichen