Montag, März 24th, 2008 | Author: Meg

So lautet das Thema in der 12. KW

Ich habe euch bereits an einigen Kindheitserinnerungen teilhaben lassen. Manchmal komme ich mir ein wenig symptombefallen vor, wenn ich mich an die Geschichten aus der Kindheit gestochen scharf erinnern kann. Viele davon könnte ich fotografisch nicht mehr festhalten, da die meisten Erinnerungen eine Menge mit Rollenspielen zu tun haben, die wir als Kinder gespielt haben. Ich bin zwar gerade dabei, die meisten der Statisten unter www.nasza-klasa.pl wiederzufinden, aber bisher waren es nicht genug, um große Schlachten nachzustellen.

Der entscheidende Hinweis fiel gestern auf einem Geburtstag, als mir jemand Süßstoff zu meinem Tee anbot und ich leicht angewidert ablehnte.

Ich lebte noch bei meinen Großeltern, konnte also nicht älter als 5 Jahre sein. Mein Opa war Diabetiker. Ich wusste nicht genau, was das war, hatte nur mitbekommen, dass er sich Spritzen selbst setzen musste und keinen Zucker in den Kaffee geben durfte (letzteres aus Mangel an Süßstoff). Ich beobachtete Opa des öfteren, wenn er sich Insulin spritze. Einmal bat er mich darum, ihm zu helfen. Ich sollte es lernen, für den Fall der Fälle.
Kinder zu verkloppen berührte meine Pazifisten-Seele nicht im geringsten, das wurde als Notwehr abgespeichert, zumal ich mich noch einige Jahre von der 1. Beichte befand und fest davon überzeugt war, bis dahin Absolution durch Mehrarbeit auf dem Hof meiner Großeltern zu erlangen. Doch Spritzen geben sollte nicht dazu gehören. Die Hand beißen, die einen fütterte, bzw. piecksen? Niemals. Ich habe doch gesehen, dass es ihm weh tat, wenn er selbst die Nadel in die Hautfalte jagte.

Der einzige Versuch, den ich unternahm, scheiterte kläglich, denn ich war derart lahmarschig sanft, dass Opa fast einen Schock erlitten hat.
Zum Glück lebte meine Tante zu dem Zeitpunkt bereits in Deutschland und schickte Süßstoff. Opa freute sich über diese Kügelchen und erzählte mir, dass wäre ein Zuckerersatz, den er in seinen Kaffee tun dürfte. Er sagte nicht, dass es Medizin wäre. Das war sein Fehler. Er war sogar so nett, dass er mich probieren ließ. Ich kannte zu dem Zeitpunkt sehr wenige Süßigkeiten. Schokolade aus Deutschland (rote Berge = Zartbitter, grüne Berge = Haselnuss, blaue Berge = Vollmilch, Aldi), doch die mochte ich nicht sonderlich. Dafür hätte ich für Milchmädchen (Kaffeeweißer, stark gezuckert, in Tuben oder Dosen) und Omas Kuchen sterben können. Oder für KogielMogiel: Eigelb mit Zucker gerührt. Salmonellen? Quatsch, das gab es damals nicht ;) Wir tranken auch rohe Eier zum Frühstück, aber das ist eine andere Geschichte.

Eines Tages sah ich diese schicke Dose auf dem Tisch stehen. Ich fand es sehr lustig, dass wenn man oben drückte, unten eine der Pillen rausrollte. Ich probierte eine oder fünf. Dann noch ein paar in die Hand. Sie brizzelten ein wenig auf der Zunge, der Geschmack war gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie doch süß. Ich überlegte noch ein paar Eigelb aufzuschlagen, ließ es aber und nahm noch ein paar von den weißen Kügelchen. Und noch einige …

.. bis die Dose leer war. Ich war geschockt. Hielt den Atem an! Opas Zuckerersatz! Jetzt musste er seinen Kaffee wieder bitter trinken. Wie konnte ich nur! Wie konnte ich so verfressen sein?! Tränen drängten in meine Augen, ich blinzelte sie weg, doch es kamen noch mehr nach. Ich lief raus und versteckte mich im Obstgarten, wo ich heulte, bis mein Magen anfing zu grummeln, zu poltern und fürchterlich weh zu tun. Gerade noch so schaffte ich es bis zum Plumpsklo, wo mich meine Oma einige Zeit später Rotz und Wasser heulend vorfand und wo ich die nächsten 3 Tage verbrachte, wenn ich nicht gerade auf einem Nachttopf im Haus saß.
Von einer Strafe hatten meine Großeltern abgesehen - 3 Tage Seele aus einem 5-jährigen Leib scheißen war Strafe genug.
Ich möchte betonen, dass mich der Einsatz meiner Zunge - um die Authentizität des Bildes zu gewährleisten - eine große Überwindung gekostet hat. Mir wird übel, wenn ich Süßstoff rieche.  :???: …

Kindheitserinnerungen

Hier findest Du meine bisherigen Bilder zum Projekt 52

Category: Projekt 52
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27 Kommentare

  1. Sehr plastisch geschrieben, eine hübsche Geschichte, die mich auch an ein Erlebnis aus meinem 5. Lebensjahr erinnert hat. Ich werde demnächst berichten.

  2. :shock:

    Da würd’s mich aber auch heute noch schütteln *örks*.

    Schöne Erinnerung .. und demnach ein noch mutigeres Foto :hugh: .

  3. Verstehe, jetzt erschließen sich mir auch andere Zusammenhänge. ;)

  4. Ja, manche “Sünden” aus der Jugend jagen einem selbst jetzt noch den Schauer über den Rücken. Wenn ich jetzt stark überlegen würde, würden mir ganz sicher auch ein paar Dinge einfallen…

  5. @ Flocke: freut mich, dass ich inspiriert habe, ich bin auf die Geschichte gespannt! :)
    @ Conni, ich habe den Mund danach mit Kernseife ausgespült ;) Danke! :)
    @ Murmel: _hoil: es war schrecklich! Was meinst Du denn? Cola Light uns sowas ekliges? ;)
    @ Sascha, überlege doch mal ein bisschen - oder hast Du das Thema schon erledigt? :)

  6. Nein, das habe ich noch nicht, aber schon eine Idee, die in eine ganz andere Richtung geht. ich werde versuchen, das morgen irgendwie umzusetzen…. Die Schulgelände hatten während der Feiertage irgendwie geschlossen!

  7. Bäääh, das ist ja übel! Süßstoff pur schmeckt doch absolut widerlich! *schüttel* :shock:
    Und die haste mal eben so weggeschlabbert, damals? Wow! :shock: Meg, Du bist ja ‘ne ganz Harte!
    Der Rest klingt allerdings auch nicht viel besser… Eigelb mit Zucker *örgs*, oder Milchmädchen… :kreuz:
    Dann doch lieber die Aldi-Schokolade. ;-)
    Ist jedenfalls kein Wunder, dass Du heute keinen Süßstoff mehr magst. Solche Erlebnisse prägen. Das hatte ich mal mit anderen Lebensmitteln (u.a. einmal zu viel Mayo, einmal zu viel weiße Schokolade… ja ja).

  8. :lol: das ist ja mal ne kindheitsgeschichte. ich hab mal ne süßstofftablette bei meiner oma probiert und fand sie so eklig, dass ich sie dann lieber in einer blumenvase entsorgt habe.

    beim spritzensetzen bin ich allerdings gar nicht zimperlich. vielleicht hat es abgefärbt, dass meine mama arzthelferin ist. das prägt.

  9. eine sehr bewegende geschichte, meg. vor allem, wenn man sie genauer liest. ein ähnliches gefühl überkam mich vor kurzem, bevor mein großvater starb. dies gefühl zog mich ins krankenhaus, um mich von ihm zu verabschieden. hätte ich das nicht getan, hätte ich mir den rest meines lebens vorwürfe gemacht. ich musste einfach meinen frieden mit ihm machen. so ähnlich fühlte sich das wohl auch bei dir an, wobei ich hier nur mutmaßen kann. allerdings kenne ich solche sachen auch aus meiner kindheit. :hugh:

  10. Und dann trotzdem Süßstoff im Haus für’s Foto gehabt ? :shock:

    Respekt !

  11. @ Sascha - “irgendwie geschlossen” - wie meinst Du da? IRGENDWIE mit Tor und so? ;) Ich bin auf die Geschichte gespannt!

    @ Steffi: Jaja, ekel Du Dich nur! :idea: Hast Du als Kind nie Sachen gegessen, die Du heute eklig findest? Wobei … KogielMogiel würde ich immer noch essen, wenn ich das Wort “Salmonellen” nicht kennen würde und Milchmädchen ist auch lecker, wenn ich danach nicht 100 Tode sterben würde und 1 Pfund mehr auf der Hüfte hätte ;)

    @ James: Lachst Du mich aus? :twisted: Ich habe keine Angst vor Spritzen und davor, sie JEMANDEM zu geben, ich hatte Angst, Opa weh zu tun.

    @ Mirco :) Besser passt das hier. :cry:

  12. @ Lily - ich bin eine gute Gastgeberin und empfange auch mal Besucher, die sowas … mögen ;)

  13. *shiver* — :hugh:

  14. Ach liebe Meg :hugh: , ich ekel mich ja nicht vor Dir, sondern vor dem gruseligen Naschwerk. :wink:
    Ehrlich gesagt fällt mir so spontan nichts ein, was ich früher gegessen habe, wovor ich mich heute aber ekel. Hm.
    Ach so, ich hatte als Kind einen kleinen Kaufladen aus Holz zum Spielen, und dazu gabs auch viele kleine nette Artikel, die meist auch hübsch gefüllt waren. Klar, dass mein Bruder und ich die Inhalte recht schnell verputzt hatten… Am Ende blieben dann die kleinen Maggifläschchen übrig… und irgendwann hat man dann daran genuckelt! :shock: DAS war wirklich eklig, bäh. Ich liiiiebe Maggi, wirklich, aber nicht pur! Nee nee, das war echt nicht lecker.

  15. :lol: herrlich geschrieben!

  16. @ Mirco - das Schöne ist, dass ich meine Großeltern erlebt habe … und das sogar recht lange! :) Jetzt habe ich wunderbare Schutzengel! :)

  17. @ Steffi :lol: alleine die Vorstellung, ihr beiden 3-Käse-Hochs mit Maggi-Flaschen an der Schnute :) Ein wunderbares Bild! :)
    Oh, ohne Maggi geht nichts, aber ich kenn da jemanden, der mag Maggi nicht … und deshalb haben wir es nicht im Haushalt. :roll: ;)

  18. Meg,
    ja, das waren noch Zeiten, damals. Mein Bruder, der Rabauke, und ich, das Engelchen *hüstel*. :mrgreen:
    Faszinierend ist ja, dass wir beim nächsten Mal wieder an den Maggi-Flaschen genuckelt haben, als es neue gab und alles andere alle war - obwohl wir genau wussten, dass es eklig schmeckt! :lol:
    KEIN Maggi im Haus?? :shock: Denke, es liegt an Herrn ElMar, oder? Ich bin erschüttert… ;-)

  19. 10 points go to Steffi …grummel…
    ;)

  20. 20
    Schwesterchen 
    Freitag, 28. März 2008

    :mrgreen: :neutral: :twisted: :arrow: :shock: :smile: :???: :cool: :evil: :grin: :idea: :oops: :roll: :wink: :cry: :eek: :lol: :mad: :sad: :-P :-P :!: :?: :kreuz: :hugh:
    Irgendwie fand ich, dass hier diese putzigen smileys zu selten genutzt werden… äh.

  21. Lustige Geschichte :D
    Das Bild finde ich auch sehr toll aber was mich wirklich geschock hat:

    ROHE EIER TRINKEN??? :shock: *kotzsmiley such*

  22. Johanna, haste nen Knall? :twisted:

  23. derSich: das war früher normal, wir hatten keine Salmonellen, die gab es nur im Westen :mrgreen:

  24. Um die Salmonellen ging es mir hier nicht… :-!
    ROHE EIER…. Das ist neben Tomaten ungefähr das perverseste was es gibt……………..!

  25. Ähm. Ich liebe Tomaten! :)

  26. Dann denk einfach an das, was du am allerwenigsten magst. xD

  27. @ derSich: Rosenkohl und Lamm!

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