Als ich das Thema der 5. KW las, dachte ich spontan: “Hey, das ist ja einfach!”
Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon auf einem Bild inmitten von Büchern, Tee, Kerzen, ElMar um den Hals oder Bauch gewickelt
Doch dann dachte ich kurz nach, erinnerte mich an das Studium und daran, was SUCHT bedeutet. Mir wurde schlagartig klar, welches meine Sucht war, ist und sein wird. Doch wie fotografiere ich etwas, was mir einerseits das Leben zur Hölle und andererseits zur Freude gemacht hat? Wie sollte ich etwas darstellen, dass so ungreifbar ist, so “un:plastisch”, wie meine Sucht?
Vor 11 Jahren hatte es angefangen und damals, ja, damals hat es mich in einen Menschen verwandelt, der ich niemals sein mochte. Es hat mich nicht einfach so verwandelt, ich habe es zugelassen. Der Versuch einer Gegenwehr war zwecklos, denn plötzlich wurden alle schlechten Charaktereigenschaften bedient: Superbia (die Eitelkeit), Avaritia (der Geiz), Invidia (der Neid), Ira (der Zorn), Luxuria (die Wollust), Gula (die Völlerei) und Acedia (die Faulheit) und der Teufel auf meiner Schulter grinste hämisch zum Engel rüber, der gerade … nunja, immer wieder mal versuchte dem Teufel eine aufs Maul zu hauen und ein paar Tatsachen vor Augen führen, doch es war zwecklos. Das BÖSE ERWACHEN ließ (zum Glück) nicht lange auf sich warten, doch irreparable Schäden waren entstanden, die ich mir mein Lebtag nicht verzeihen werde. Mir wurden sie verziehen, meine Fehler - doch mir selbst kann ich immer noch nicht richtig in die Augen schauen.
Heute habe ich die Sucht im Griff, auch wenn ich täglich über mehrere Stunden mit ihr konfrontiert werde. Wir haben jedoch ein stilles Abkommen und zum Glück gehört es auch ins Leben, ist kein Exot mehr. Dennoch: manchmal sieht immer noch der Teufel, doch ich passe auf.
Meine Sucht:
Was ist DEINE Sucht?



11. Februar 2008 um 05:58
wow! das ist echt ein tolles bild :smile: ich kann das sehr gut nachvollziehen, also deine sucht.
klasse umgesetzt, wirklich!
11. Februar 2008 um 08:32
WOW! Das hast du super umgesetzt! Ich bin begeistert!
11. Februar 2008 um 09:52
Tommy, ich wollte nicht einfach nur ein DSL-Moden knipsen, das steht - in meinen Augen - nicht für Sucht. Danke
11. Februar 2008 um 09:53
Danke Maksi - auch wenn das Thema weniger schön ist, der erste Schritt war: Zu erkennen, was meine Sucht ist.
11. Februar 2008 um 17:25
Und dieser erste Schritt ist immer der schwerste. Klasse Umsetzung !
11. Februar 2008 um 19:23
Danke! :oops:
12. Februar 2008 um 10:46
Tolle Umsetzung. Allerdings ziehe ich auch oder vor allem meinen nichtvorhandenen Hut vor dir, für diesen ehrlichen Bericht über deine Sucht.
Davon dürfte ein nicht geringer Teil der Blogger ein ganz eigenes Lied singen können. Finde ich ein wenig schade, dass dieser Eintrag nicht zu einer Diskussion über dieses Thema angeregt hat, während andere - wesentlich “bedeutungslosere” Themen endlos diskutiert werden können. Allerdings muss man dazu den Mut haben, sein eigenes Surfverhalten zu hinterfragen. Und das ist unangenehm.
Unabhängig von deinem Bericht habe ich mir im Krankenlager auch ein paar Gedanken über mein Surfverhalten gemacht. Sobald ich wieder in der Lage bin, ein paar mehr Zeilen tippseln zu können, werde ich das auch verblogwursteln.
Dennoch danke ich dir wirklich für diesen Gedankenanstoß.
P.S: Schön, dass ihr gut erholt wieder zurück seid. Und einen ganz dicken Knutscher für die wunderschöne Karte. Steht jetzt auf meinem Schreibtisch - nicht nur, weil das Motiv so toll ist, sondern auch weil der Spruch wunderschön ist.
12. Februar 2008 um 11:16
Liebe Sisou, es gibt Karten, die sprechen einen an, die finden einen. Motive gab es viele, doch diese Karte wollte zu Dir. Fakt.
Ich finde es übrigens auch schade, dass dieses Thema nicht diskutiert wurde - nicht primär meine Sucht, sondern das Thema “Sucht” allgemein. Und Du faßt es gut zusammen: Sucht ist unangenehm, das Thema erfordert, daß man sich damit auseinandersetzt und dabei unschöne Dinge zum Vorschein kommen. Das möchten die Wenigsten. Dazu sind die Wenigsten bereit und in der Lage. Selbstreflektion.
Doch ich werde es nicht forcieren. Entweder es kommt was … oder ein anderes Mal
Dir wünsche ich weiterhin eine gute Besserung! :hugh:
13. Februar 2008 um 09:39
[...] das Bloggen zu machen, welches in der letzen Zeit extrem überhand genommen hat. Nicht zuletzt der wunderbare Eintrag in diesem Blog hat mir die Augen darüber geöffnet, wie schnell aus Spaß sucht- oder zwangähnliche Zustände [...]
13. Februar 2008 um 19:23
[...] Einige Tage zuvor las ich im Blog Seelenvögel ein offenes Bekenntnis von Meg zum Thema ‘Meine Süchte‘. Mutiger Beitrag, Hut ab! Er stimmte mich sehr nachdenklich, weil er auch mich [...]
13. Februar 2008 um 20:21
Internetsucht von Tollsucht am 24.08.2001
Ich bin ein Mensch, der keine Süchte hat! Ich bin ein Mensch voller Kraft! Ich brauche keine falsche Welt! Ich brauche nur eine Hand, die die meine hält. Doch frage ich mich: stimmt das wirklich? Was mache ich hier und das auch noch täglich? Zeigt mir das Leben so wenig schönes, dass ich mich in eine Welt des Irrealismus verkriechen muss.
Wer dankt mir den Kampf, das Leid, das Wortgeplänkel und die mitfühlenden Worte, die ich tagtäglich immer wieder vergeude? Wer ist wirklich da, wenn ich nachts den Computer ausschalte, mich in mein Bett verkrieche und nicht schlafen kann? Wer sagt zu mir: Ich brauche Dich, sieht mir in die Augen und nimmt mich in den Arm? Was nützen mir ein paar Pixel, die ich niemals anfassen kann? Was nützen mir Menschen, die es nicht wirklich interessiert, WER die Tollsucht ist?
Ich fand an manchen Abenden Ablenkung, Spaß, Trost und schöne Worte, doch meine Probleme ließen sich damit nicht lösen. Ich schob nur alles vor mich hin. Wen würde es stören, würde ich einfach gehen und keinen der virtuellen Nicks je wieder sehen? Schon oft erkannte ich in dieser elektronischen Welt, dass EINES ihr wirklich fehlt! Die Wärme eines Menschen zu spüren und dabei seine Hand zu berühren, dass kann mir Redseven niemals geben! Doch gerade DAS, brauche ich zum Leben.
Es macht mich traurig, wenn ich mir denke, wie ich tagtäglich meine Lebenszeit hier verschenke. Kaum ist man wach, ruft es laut: schalt mich ein! Laß das Glück, das Leben in Deine Seele hinein! Aber was ist Redseven anders, als eine vorgegaukelte Welt! Eine Welt, die mir trotzdem nicht zum Leben hilft! Schalte ich den Computer aus, ist alles wie es war und meine Straße des Lebens ist verschüttet unter den Illusionen einer heilen Elektronikwelt. Wen interessieren dort echte Gefühle? Wer meint wirklich was er dort schreibt? Wer würde mich auch wirklich in den Arm nehmen wollen, von denen die mich tagtäglich zu Tode knuddeln?
Ich erkenne, traurig, dass auch ich süchtig bin! Süchtig nach Liebe, Zuneigung, Wärme! Und genau, wie bei jeder anderen Sucht, hilft auch das Internet nur für kurze Zeit! Die Droge wirkt irgendwann nicht mehr! Und genau so, wie man mit Hasch beginnt, daß einem irgendwann nicht mehr reicht, greift man irgendwann nach mehr, nach etwas stärkerem!
Aber was ist für Redseven noch die Steigerung? Wie traurig, wenn die Befriedigung nach lässt! Wie traurig, wenn man erkennt, da gibt es nicht mehr! Wie traurig zu erkennen, dass wir alle krank sind! Krank, unglücklich, gefrustet und alleine gelassen. Man zwingt sich zu vergessen, aber kann man eine Sucht jemals vergessen? Wird man sich nicht irgendwann immer wieder nach der zumindest kurzfristigen Befriedigung sehnen? Es muss aufhören! Aber kann man einfach aufhören?
Man sagt, wenn ich gehe verliere ich all die netten Leute in Redseven. Aber ist das wirklich so? Und gehörten diese Leute wirklich mal zu meinem Leben? Würden sie mir die gleichen Dinge auch ins Gesicht sagen? Würde sie mich wirklich knuddeln, knutschen, in den Arm nehmen und meine Hand halten, wenn ich sie brauche? Das Zerrbild der Realität ist schrecklich! Niemand ist real wirklich dazu fähig so perfekt zu sein! Nur diejenigen, die auch im Realen zu Ihren Worten stehen, denen kann man glauben!
Was bleibt von meiner ach so tollen, ewig langen Freundesliste, wenn ich mir das ganze auch in Real wünsche? Ist man wirklich ehrlich zu sich selber? Ich weiß für mich. Von den vielleicht 50 Leuten, die meine Freunde hier sind: stehen vielleicht 3 wirklich für mich auf und gehen für mich durchs Feuer und begleiten meinen Weg auch in der Härte der Realität!
Diese Menschen fragen nicht: Wie sieht sie aus, sie wissen es! Sie fragen nicht: Was fühlt sie wirklich? Sie wissen es! Sie fragen mich nicht: Wie geht es Dir? Sie wissen es!
Wisst Ihr noch was Euch wirklich wichtig ist???
Tollsucht.
13. Februar 2008 um 20:23
Redseven war gestern…heute ist Leben!
Wer hätte gedacht, dass ich mein Leben ausgerechnet DORT finden würde? *smile* :smile:
13. Februar 2008 um 21:12
Ah, Redseven ist schon JAHRE her! Zum Glück
& :hugh:
Dennoch: wir haben uns dort kennengelernt und DAS möchte ich nicht missen. So wie Du Deine Ratte nicht missen möchtest
13. Februar 2008 um 21:19
Jepp das ist es, aber dort hab ich es auch gespürt - die Internetsucht. Ich für mich weiß nun, dass es nur ein Ersatz für etwas anderes war, das ich im normalen Leben nicht bekam und dort suchte.
Irgendwann hab ich es wider aller Vernunft auch dort gefunden und das lässt mich diese Erfahrung doch nicht soooo negativ sehen, wie ich es tat, als ich meine Sucht erkannte.
13. Februar 2008 um 22:26
@ Tollsüchtige: beim anfänglichen Lesen deines Kommentars dachte ich sponat: “Hilfe, wer so lange Kommentare schreibt, rechtfertigt seine Sucht!”. Nun, schön, dass Du es geschafft hast und gut im allgemeinen, dass endlich Bewegung in dieses Thema kommt. In meinem Blog verdünnisieren sich gerade die ersten Süchtigen … ;-)
13. Februar 2008 um 22:28
Freudscher Verschreiber: Morgen steht bei mir Spinat, Eier, Kartoffeln auf dem Speiseplan - und so wurde im letzten Kommentar aus ’spontan’ ein ’sponat’ … ;-)
13. Februar 2008 um 23:30
JAC, bei allem bisherigen Verständnis für Deine … Verrücktheiten: die letzten Tage und Deine Reaktion auf Deine Regeln (nicht mal so sehr die Regeln selbst, aber *DEINE REAKTION!*) bestätigen mich darin, Dein Blog nicht zu verlinken. Ich finde keine Seelenspaziergänge mehr darin wieder.
14. Februar 2008 um 00:25
@meg: Du hättest die Regel 8 noch sehen müssen, wo sie noch geschrieben war…mit Drohung seinen Kommentatoren Kosten in Rechnung zu stellen… :sad:
14. Februar 2008 um 08:55
Der Kontext ist wichtiger als die Störung(in dem Fall Sucht)
das Symptom ist keine Störung sondern eine Lösung (wenn auch manchmal mit hohem Preis)
Ada
klugscheißend da frisch fortgebildet
14. Februar 2008 um 09:32
Liebeblüte, wofür sollten denn die Kommentatoren zahlen? Für freie Meinungsäußerung?
Schäuble wäre stolz auf ihn. 
14. Februar 2008 um 09:38
Astrid - gerne auch ausführlicher, denn ich gestehe, das war mir gerade ZU fort:gebildet
15. Februar 2008 um 07:18
@jac das war nur ein Selbsterkennungstext. Mittlerweile verbringe ich keine 5 Minuten täglich im Web und wenn dann meist nur für die Arbeit oder um Infos zu suchen. Seelenvögel ist das einzige Blog das ich ab und zu (meist nur lese) besuche, weil ich die Menschen persönlich kenne. :smile:
25. Mai 2008 um 20:57
[...] ich nicht omnipräsent sein muss und möchte. Ich bin froh darüber, dass ich meine Sucht in den Griff bekommen habe und das Internet benutze, um auf dem Laufenden zu bleiben, mich zu [...]
10. Juni 2008 um 14:15
Ein bischen was von dieser Sucht habe ich wohl auch abbekommen… klar ich könnte sofort aufhören, aber ich würde was vermissen… All die lieben Menschen, die ich im Laufe der Jahre im Internet kennengelernt habe und einfach die Möglichkeiten… Irgendwie bin ich schon süchtig, es gehört zu meinem Leben dazu. Keinesfalls aber würde ich eine Verabredung absagen um dafür im Internet surfen oder spielen zu können. So weit kommts noch. ^^ Naja aber was will man in sonem Kaff wie dem in dem ich wohne auch anderes machen? Leute treffen? Jo schon… nur kenn ich kaum welche. Bin aber gerade dabei das zu ändern und jaaa was schreib ich hier überhaupt? O.o
*delete*
xD
Heikles Thema, passendes Bild, schön geschrieben, schön umgesetzt. (na bitte. geht doch auch kurz^^)