Donnerstag, April 24th, 2008 | Author: Meg

Ich war Anfang 20, als Du das erste Mal aktiv in mein Leben tratst.
Vorher warst Du mir nie bewusst aufgefallen, ich meine zwar, dass ich gewusst hätte, wie Du ausschaust, wenn man mich gefragt hätte, doch bewusst hatte ich Dich noch nicht wahrgenommen. Ich habe Dich sogar recht schön gefunden, denn Du hattest es schon immer verstanden, Dich von der Masse, von den Anderen abzuheben. Es sollte auch noch eine ganze Weile dauern. Immer wieder kamst Du und gingst auch wieder, recht unauffällig, bis auf einige Tage.

Doch das reichte Dir nicht. Du wolltest mehr, viel mehr und erst im Laufe der nächsten Jahre sollte ich schmerzlich begreifen, wie viel MEHR Du von mir wolltest. Es machte Dir nichts aus, dass ich nun genau wusste, wie Du aussiehst und wo Du anzutreffen bist, wann Du geil bist und wann ich nichts vor Dir zu befürchten habe. Wann ich einfach so an Dir vorbeigehen konnte und wann Du mir gefährlich wurdest.

Du, Du wolltest mich richtig bestrafen, mich leiden sehen und mir das Leben zur Höhle Hölle machen. Gar nach diesem trachten.

Anfangs glaubte mir niemand, wenn ich erzählte, dass Du mich belästigst. „Das bildest Du Dir nur ein“, sagten sie und lenkten vom Thema ab. Mein Vater sagte, ich würde das Elend eben anziehen. Elend … ich bin mir sicher, dass er nicht der erste war, der Dich je so genannt hat, oder? Und das war noch harmlos.

Immer öfter ertappte ich mich dabei, dass meine Blicke in Deine Richtung nicht mehr rein zufällig waren, sondern mit voller Absicht. Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich Ausschau nach Dir hielt, bewusst Deine Nähe suchte, um dann, im letzten Moment die Flucht zu ergreifen.

Ich ertappte mich dabei, dass ich anfing, Dich zu hassen. Hass war bis dato ein bekanntes Wort, aber unbekanntes Gefühl, doch fortan war es mit Deinem Namen versehen und Du schürtest dieses Gefühl, wo Du nur konntest. Ob Du es genossen hast?

Nachts lag ich wach und weinte, denn ich fragte mich, was ich falsch gemacht hatte, dass Du mich so bestrafst, dass Du anfängst mir körperlich weh zu tun, wenn ich in Deiner Nähe bin, mir die Dinge mies zu machen, die ich liebte. Mir der Zeit wurdest Du immer hässlicher und mit dem Grad Deiner Hässlichkeit wuchs parallel die Macht Deiner Grausamkeit. Auf Schritt und Tritt verfolgtest Du mich und ließest keine Chance aus, mich zu quälen, mich daran zu hindern Dinge zu tun, die mich glücklich machten.

So konnte es nicht weiter gehen. Egal wohin ich ging, wohin ich fuhr oder flüchtete, es gab kaum noch einen Ort, an dem ich vor Dir sicher war. Ich bewaffnete mich sogar, doch auch das schien Dich nicht vollends abzuschrecken. Gut, Du konntest nicht mehr soviel Macht auf mich ausüben wie vorher, aber ganz wurde ich Dich nicht los. Immer noch warst Du stets dort, wo auch ich war, doch ich lief etwas aufrechter und manchmal, manchmal holte ich sogar tief Luft und lachte Dich aus, lächelte ich Dich sogar hämisch an.

Doch spätestens dann stelltest Du gleich wieder klar, wer Du wirklich warst und wie schutzlos ich eigentlich war.

Vor 2 Jahren war es dann so weit. Ich war glücklich, entspannt, hatte mich fast an Dich und Deine Grausamkeit gewöhnt, denn ich hatte einen Weg gefunden, Deine Macht über mich etwas abzuschwächen.

In diesem Jahr wolltest Du mein Leben. Auf Schritt und Tritt verfolgtest Du mich, nahmst mir die Luft zum Atmen, meine Brust zog sich vor Schmerzen zusammen, wenn ich Dich nur erblickte und immer, immer, immer mehr drangst Du mit aller Macht in jede Öffnung meines Körpers. 24 Stunden am Tag prügeltest Du auf mich ein. Lautlos und unsichtbar wie ein Ninja-Krieger, aber auch mit der Wucht eines solchen legten sich Deine grausamen Hände um meinen Hals und machten jeden Atemzug immer schwieriger.

All meine Waffen erwiesen sich als machtlos.

Doch dann … dann spielte Dir der Kreislauf des Lebens einen Streich und rettete mir das Leben.

Kaum, dass Du verschwunden warst, wusste ich, dass ich unbedingt mehr machen musste, als mich mit den herkömmlichen Waffen einzudecken und musste mir endlich eine alternative Hilfe suchen, die ich auch fand.

Nie wieder will ich Dich in meiner Nase, meinen Augen und meinen Kapillaren, Du elender Stalker!

Manchmal wache ich grinsend auf. In diesen Nächten träumte ich davon, ein großes Feuer anzuzünden und Dich zu vernichten.
Doch dann denke ich mir: Hey, ich bin stärker, ich habe die Macht, ich habe die Abwehr, sie ist nur etwas aus der Übung. Und Du?

 

Du bist nur ein Baum.

 

Category: MegLosophie
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25 Kommentare

  1. BOAH!!!
    Beängstigend super geschrieben, klasse!!

    Den schaffst du!!

  2. Die sind ja auch überall, diese Bäume!
    Toll geschrieben.

  3. Hier im Dorf wird jedes Jahr eine Birke gefällt, die muss dann als Maibaum herhalten. Ich glaube, dieser Anblick würde Dir gefallen ;)

    Wünsche Dir eine stalkerfreie Zukunft ! Und allen anderen Allergie-Geplagten auch !

  4. Wenn du einen noch einmal so in die Irre führst… Himmel, Ars** und Zwirn. Was für ein Glück, dass die Eigenblut-Behandlung so gut angeschlagen hat. Bei einem “richtigen” Stalker hätte das wohl nicht ausgereicht. ;)

    Dann ist das der erste Frühling seit langer, langer Zeit, den du mal wieder richtig genießen kannst, oder? Dann genieße ihn in vollen Zügen. ;)

  5. @ Luposine, das habe ich vor, ich möchte auch endlich mal wieder nach über einem Jahrzehnt den Frühling genießen :)
    @ Marco, das stimmt wohl und die Pollen fliegen bis zu 80 km, ich könnte in die Arktis ziehen ;)

    @ Lily - ohhhhh, das ist mein persönlicher, innerer Reichsparteitag, allerdings würde ich es erst genießen, wenn das Gedöns trocken ist und brennt. Diesen Brauch gibt es hier auch, doch glaube mir, damit würde man(n) mir keinen Gefallen tun :)
    @ Frau W. - komisch, bei anderen wissen Sie diesen Spannungsbogen zu schätzen und ich bekomme einen Einlauf ;) Ja, das ist der erste Frühling, den ich genieße und ich kann es kaum abwarten, aufs Fahrrad zu steigen! :)

  6. man, mich hast auch ganz schön in die irre geführt. aber ich finde es toll, dass du die tage jetzt endlich geniessen kannst. ich hoffe, dass wir nächste woche tolles wetter erwischen und draussen sitzen können :)

  7. Du kennst / kanntest wenigstens Deinen Feind, der Dich terrorisiert und den Du hassen gelernt hast.
    Wenn ich nur den Auslöser meiner Leiden (den Migränekopfschmerzen) / meinen Feind kennen würde, dann wäre mir schon ein wenig wohler. Bei der Theorie mit dem Stuhl bin ich mir da noch nicht so ganz sicher.
    Dennoch, schön geschrieben.

  8. Wow! Richtig gut geschrieben! Ich drücke Dir die Daumen für einen wunderschönen, beschwerdefreien Frühling!

  9. 9
    Rattenviechs 
    Donnerstag, 24. April 2008

    O Meg, da bist Du ja nochmal haarscharf an der Steinzeit vorbeigeschrammt!

    Ich stell mir das gerade vor, wie Dir der Baum das Leben zur Höhle macht… Hättest Du dann Dein Blog als Höhlenzeichnung geführt? :mrgreen:

  10. Oha, so kann man auch den Frühling mit all seiner Pracht begrüßen. Aber dann schon lieber einen qualfreien. Jedenfalls wünsche ich dir den. Mach den Stalker fertig!

  11. Ich hatte sogar etwas Angst um DIch, als ich das gelesen hatte. Aber am Ende kam dann doch die “Erleichterung”, obwohl diese Pollen wirklich grauenhaft sein können.

    In dieser Sache musste ich an einen Roman denken, den ich vor kurzem fertig gelesen hatte. “Das Opfer” von Katzenbach. Sehr zu empfehlen…

    Diesen Frühling schaffst Du. Mach ihn fertig, den Baum!

  12. Melodramatik pur! Super geschrieben!

  13. @ Meg: Ich schätze diesen Spannungsbogen sehr wohl. Bei anderen und auch hier. Allerdings mehr die Art von Spannungsbogen, bei dem mir von Anfang an klar ist, dass es an den Haaren herbeigezogen ist. Das war in diesem Fall nicht so. ;)

    Mir ging es ein wenig wie Sascha, der sich Sorgen gemacht hat. :hug:

  14. @ Tommy, Montag könnte ich anbieten, die anderen beiden Arbeitstage in dieser Woche sind voll und Mittwoch abend fahren wir nach Holland und hoffen auf gutes Wetter :)
    Versteht es nicht falsch, die Allergie ist nicht gänzlich weg - sie ist nur äusserst gemildert :)

    @ Andi, ja, das ist mein Glück welches ich auch sehr zu schätzen weiss. Ich kenne einen sehr lieben Menschen, der seit Jahren gegen einen namenlosen und unbekannten Geist kämpft. Gestaltet sich schwierig bis unmöglich, wenn man nicht weiß, welche Waffen wirken könnten. Ich wünsche Dir, dass Du den Namen herausfindest! :hug:

    @ Nicole - danke, die drücke ich mir auch! :) Wenn es nur einige Nieser am Tag sind, bin ich glücklich! :)

  15. @ Ratte - mit Sicherheit, allerdings hätte ich dann nur Bildchen bzw. Smileys gemalt ;)
    @ Stef, das habe ich vor! Ich hoffe nur, dass mein Immunsystem mitzieht :)
    @ Maksi :hug: Ein Fische-Mädchen muss eben tun, was ein Fische-Mädchen mit am besten kann ;)

  16. @ Sascha, keine Angst - mir passiert so schnell nichts, ehrlich. Naja, außer ich lande mit einem Schock im Krankenhaus oder fahre Motorrad, doch da ich ElMar versprochen habe, mit ihm zusammen gaaaanz alt zu werden, bleibe ich Dir noch laaaaange erhalten :)
    Das Buch werde ich mir anschauen, danke für den Tipp! :)

    @ Frau W. - das andere kann ja jeder ;) Diese Auflösung sollte natürlich erst zum Schluß kommen. Sonst macht das Schreiben von Dramen kaum Spaß. Weißte doch, machst Du ständig :)
    Danke! :hug:

  17. wow, wirklich klasse geschrieben. Auf in den Kampf gegen den Stalker, mach ihn fertig!

  18. @ Michi, das mache ich seit Monaten, indem ich 46%igen Alk trinke! :lol:

  19. :eek: das war schon fast zu viel für meine nerven! mach das nie wieder! :mrgreen:

  20. @ James, das kann ich nicht versprechen, allerdings würde das auch Deine Nerven etwas .. abhärten ;)

  21. da ich im hinterkopf immer hatte, dass dich da so ein ElMar bestimmt geschuetzt haette, war es fuer mich einfach nur ein toller text. einiges hab ich auch nicht auf einen menschlichesn stalker beziehen koennen, aber klasse geschrieben ist es dennoch. :D

    wuensche dir einen schoenen fruehling, einen noch besseren sommer und niesfreie Zeit. :dance:

  22. hast mich schön auf dem leim geführt … toll geschrieben!

    ganz allgemein: ich hatte mich ja doch ein bisschen an deine schreibe gewöhnt, und jetzt vermisse ich das! :(
    naja, muss ich halt ab und zu mal hier lesen ;)

    viel glück für deine atmungsorgane und die äuglein!

  23. Puh. Super geschrieben. Hab auch erst andere Gedankengänge gehabt, wie so manch anderer hier.
    Freut mich jedenfalls, dass es Dir besser geht und Du den Frühling nun auch genießen kannst! Toll! :hug:

  24. @ Camille, schön, dass Du hierher gefunden hast :) Ich freu mich wirklich! Alles gut bei Dir? Danke für die guten Wünsche - ich tue mein Bestes! :)
    @ Liebe Steffi, freut mich, dass ich das Schreiben offenbar noch nicht verlernt habe :)

  25. Ich freu mich, dass Du Dich freust. :dance:

    Bei mir alles im Lot, Danke der Nachfrage.

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