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7. Juni 2008 | Autor: Meg

Gestern habe ich mir 4 Röcke, 5 Tops, 4 Paar Schuhe und einige Accessoires gekauft. Danach habe ich meinen Freund in die Wüste geschickt und mir dafür einen neuen geangelt. Mit viel Geld.
Heute lasse ich mir die Brüste vergrößern und das Fett absaugen. Danach gehe ich zum Friseur und werde dann zuschauen, dass ich allen den Rang ablaufe.

Was soll der Blödsinn? Ist Meg jetzt völlig durchgeknallt? Könnte man meinen. Doch das, was ich oben angerissen habe, ist für über 1 Million Mädchen Alltag, denn sie spielen alle das Online-Spiel “Miss Bimbo“: Man fängt als Püppchen im BH und Höschen an und hat zum Ziel die heißeste, berühmteste und coolste Tussi in Bimbo-Town zu werden. Wenn man sich anmeldet, bekommt man 1.000 Bimbo-Dollar mit denen man sich erstmal ankleiden kann. Doch glaubt nicht, es gäbe normale Shirts und Jeans. Was in der Boutique angeboten wird erfordert einen Waffenschein: Tops und Schuhe für eine Menge Geld, tief ausgeschnitten und nicht mal ein Paar Schuhe ohne Absatz.
Um kurz aufzuzeigen was da wirklich los ist, hier ein Zitat aus der Süddeutschen:

“Man stelle sich ein Spiel vor, bei dem es für kleine Mädchen zur Hauptbeschäftigung wird, in Klubs möglichst schnell möglichst viele fremde Männer zu küssen und nichts zu größerer Beliebtheit führt als eine Brustvergrößerung. Dieses Spiel gibt es wirklich - im Internet. Es heißt “Miss Bimbo” und ist derzeit in Großbritannien ein absoluter Renner. Weit über 200.000 Mädchen zwischen neun und 16 Jahren spielen es, in Frankreich sind es schon über eine Million.”

Man beachte: 9-16 Jahre!

Um all die Klamotten, Essen, Psychiater (!) und Operationen in Anspruch nehmen zu können, muss man dafür bezahlen. Das kann man einfach per SMS: man lädt per SMS das Konto auf und hat wieder Bimbo-Dollar, um sich alles leisten zu können.

Die Süddeutsche weiter:

[...] Zu Beginn des Spiels lautet ihr aktueller Zustand: IQ von 70, kein Hunger, kein Durst, Gewicht 58 Kilo - das Idealgewicht bei der Größe von 1,68 Meter. [...]

Der Blick in den Lebensmittelmarkt bei Miss Bimbo ist der nächste Schock: An Platz eins des Sortiments stehen Diätpillen, die man für 100 Bimbo-Dollar kaufen kann. Das Kontextmenü sagt: “Diätpillen, die leichtere Art zu essen.”

Eine Brustvergrößerung kostet 11.500 Bimbo-Dollar, Face-Lift schlappe 9.000 Bimbo-Dollar, das ist viel Geld, aber dafür steigt man im Ansehen um 2.000, bzw. 1.000 Punkte. Mit anderen Worten: je mehr man an sich machen lässt, je mehr Diätpillen, Operationen, IQ, Freunde, die für einen zahlen, Beauty-Behandlungen, Solarium, etc. desto höher steigt man im Ansehen. Und wenn irgendwas nicht zu vollsten Zufriedenheit verläuft, kann man für 50 Bimbo-Dollar den Psychiater aufsuchen oder in den “Bimbo Club” gehen, wo man flirten und tanzen kann und einen Freund findet, der für einen zahlt, “weil der Dich liebt”.

Um den IQ zu erhöhen, kann man seine Handtasche aufräumen oder “French Kiss” spielen.

Ich habe mich registriert, mir alles in Ruhe angeschaut, screen shots gemacht und mein Profil wieder gelöscht, denn es lässt mir die Galle überlaufen.

Es ist so schon schwer für die Kinder, ihren Körper zu akzeptieren wie er ist - wie sehr verfälscht so ein Spiel die eigene Wahrnehmung?

:mm:

Einen ausführlichen Artikel über das Spiel findet ihr bei der Süddeutschen. Hier gekennzeichnete Zitate stammen aus dem Artikel.

20. November 2007 | Autor: Meg

Gestern abend mußte ich noch 15 Minuten “totschlagen”. Warum sagt man das eigentlich? Zeit kann man doch gar nicht tot schlagen. Immer wieder stolpere ich über diese sonderbaren Ausdrücke in der dt. Sprache. Ich habe sie angenommen, bzw. übernommen, dennoch verstehe ich sie nicht. Genauso wie ich niemals sagen würde “Laß uns zum Bäcker laufen”, denn das mache ich nie. Dafür müßte ich ja joggen und das kann ich nicht. Ich gehe zum Bäcker. Oder “In dem Laden ist tote Hose”. Tote Hose?! Was bedeutet das? Wenn eine Hose lebt, sollte man sie entsorgen. Oder “totschlagen”.

Ähm. Ich hatte also 15 Minuten Zeit, die ich sinnvoll verbringen wollte, da es jedoch regnete, konnte ich nicht rumlaufen und nach “vor Respekt auf die Knie gesunkenen Hirschen” suchen, sondern hatte die Wahl zwischen einem Quelle-Laden und einem Optiker. Ich entschied mich für den Optiker und straffte die Schultern. Seit meinem 4 Lebensjahr trage ich eine Brille. Seit meinem 17. Lebensjahr durfte ich diese tagsüber gegen ein Paar Kontaktlinsen tauschen und trage die Brille nur noch äußerst selten (abends im Bett, wenn ich noch lese). Die Kontaktlinsen haben mich sehr verwöhnt: sie beschlagen nicht, rutschen nicht von der Nase, sind beim schwimmen nicht im Weg, ich habe keinen “toten Winkel” beim Auto fahren und ich habe das Glück, daß ich sie wunderbar vertrage. Dennoch wird es Zeit für eine neue Brille, denn: a) sehe ich durch die alte kaum noch etwas, das eine Glas hat einen fetten Kratzer und insgesamt haben sich die Werte verändert und b) findet ElMar, daß ich derzeit ein “Kinderbrillengestell” habe, welches mir nicht steht. Also bin ich rein in den Laden und sagte: “Hörense, für diesen Tornisterkopp brauch isch ne Brille. Und kommense mir nicht mit randlos, isch han schlechte Augen. Weitsichtigkeit bis nach Castrop-Rauxel”. Der ca. 2m große Herr ließ sich keineswegs beeindrucken und nahm eine Brille in die Hand und setze mir diese lächelnd auf die Nase. Ich schaute in den Spiegel und die Kinnlade fiel mit einem Krachen 2 Etagen tiefer. Verdammtnochmal! Das hat bisher noch niemand geschafft.
Ich muß dazu sagen, daß ich wirklich einen sehr großen und breiten Kopf habe. Manchmal sehe ich aus wie Cartman und für den gibt es keine Brillen!

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