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28. Oktober 2008 | Autor: Meg
Wann erreicht ein Mensch den Punkt in seinem Leben, indem er ohne mit der Wimper zu zucken Kontakte abbricht, die ihm vor einiger Zeit noch sehr wertvoll waren? Sind es die individuellen Ansprüche, die man an eine Freundschaft hat, die dazu führen, dass man sich nicht arrangieren kann, wenn sie nicht zutreffen? Wie lange reicht die Hoffnung darauf, dass sich der andere ausnahmsweise von sich aus meldet und man nicht immer den ersten Schritt macht?

Dum spiro, spero?

Ich beobachte erstaunt Freundschaften zwischen Männern: Sie schicken sich SMS zum Geburtstag, sehen sich 1-2x im Jahr, obwohl sie zwei Steinwürfe voneinander entfernt wohnen und nennen das Freundschaft. Dass diese viele Gesichter hat, ist mir auch klar. Liegt es also daran, dass ich als Frau sehr viel gesprächiger bin, bzw. mein Bedürfnis nach Kommunikation viel grösser ist, als bei manch einem Mann?
Als ich vor 3 Jahren im Krankenhaus lag, wurde mir bewusst, wer meine Freunde sind und da löschte ich - ohne mit der Wimper zu zucken - einige Menschen aus meinem Leben. Dauerhaft. Ich habe es bis heute nicht bereut. Doch es brachte mich sehr zum nachdenken und ich entwickelte eine Art ‘gesunden Egoismus’ (Egoismus ist in unserer ‘Gesellschaft’ ein negativ belegtes Wort, erstaunlicher- und unberechtigterweise, wenn man mich fragt … ), der mich davor bewahren soll, zu viele Menschen durch die ersten 2-3 Schutzschichten an mich zu lassen.

Würde ich versuchen wollen, das Schutzschild zu visualisieren, würde es wie ein alter Bienenstock aussehen. Nicht die Arbeiterinnen würden es beschützen, sondern ein Drache und ein Seelenvogel. Die meiste Zeit über kommen die beiden wunderbar miteinander aus. Der Drache ist kein schlechter oder gar böser Drache, aber zum einen sieht er natürlich sehr furchteinflössend aus, wie es sich für einen Schutzdrachen gehört und er kann Feuer speien. Das sieht man immer dann, wenn mein Gesicht keine Regung zeigt, die Augen etwas schmaler werden und die 4 Finger der linken Hand anfangen, abwechselnd den Daumen zu berühren. (Bis vor einigen Jahren wusste ich nicht, dass das unter anderem eine Reaktion meines Körpers ist, wenn ich angespannt bin). Der Seelenvogel flattert unruhig mit den Flügeln. Das kommt nicht oft vor.
Dann gibt es Situationen, in denen der Drache den Vogel angreift oder der Vogel mit seinem scharfen Schnabel wütend versucht, die schuppige Haut des Drachens zu schnappen. Das passiert immer dann, wenn der Kopf einen Kampf mit dem Herzen fechten möchte.
Bisher steht es ca. 9:1 für den Vogel. Erstaunlich, oder?
… und es wird Zeit, den Drachen auf die Haut zu bannen ;)