Freitag, Juni 27th, 2008 | Author: Meg

“Das Ziel ist nicht, den Patienten zu ändern oder umzupolen. Das Ziel ist, ihn darauf vorzubereiten, seine Neigung zu akzeptieren”
Sagt eine Psychologin von “Odwaga” (poln. Mut), einem Zentrum zur “Therapie von Homosexuellen”.

“Heute fühle ich mich frei, weil ich nicht mehr das Bedürfnis habe, meine Homosexualität auf aktive Weise zu leben. Ich fühle mich nicht mehr lesbisch und fange sogar an, die Welt der Männer zu entdecken”.
Sagt eine Frau, die eine “Therapie” macht.

“Wenn ein Homosexueller zu einem dieser Psychologen geht, bekommt er zu hören: Das geht vorbei. Aber es geht nicht vorbei”.
Sagt eine andere Psychologin von der “Kampagne gegen Homophobie”.

Über 90% der Polen sind (angeblich) katholisch, ich bin der festen Überzeugung, dass sich das ändern würde, würde man dort die Kirchensteuer einführe. Sie sind solange katholisch, wie sie den Augen der Gemeinschaft ausgesetzt sind, die sich auch feigherzig-paralysiert verhält. Soll doch jeder glauben, was er meint, doch diese Scheinheiligkeit ist mir einfach zuwider.

Über 53% der Polen betrachten die Homosexualität als Sünde und Krankheit, die man behandeln und heilen kann. Früher bediente man sich der Exorzisten, denn alles “Widernatürliche” kommt aus der Hölle und muss ausgetrieben werden.

Ich spreche nicht von der Einstellung der Polen im Mittelalter, sondern heute, im Jahre 2008, in dem die katholische Kirche ein Zentrum zur “Therapie von Homosexuellen” ins Leben ruft und Menschen von ihrer Neigung HEILEN möchte.

Ganz ehrlich … es geht mir nicht in meinen ex-katholischen Schädel, dass es immer noch Menschen gibt, die so dumm sind, dass sie das glauben, dass sie dem Irrglauben erliegen, ihre Gefühle wären eine Krankheit, die man heilen könnte.
Was mich jedoch am meisten traurig macht, dass ich Menschen kenne, die so denken und von denen ich weiß, dass sie ihre Meinung niemals ändern werden. Mein Leben wäre die Hölle, wäre ich homosexuell und würde heute in Polen leben. Als ich in den Staaten lebte, lernte ich dort eine Frau kennen, eine Lesbe, die aus Polen abgehauen ist. Sie sprach nicht sehr viel Englisch, schaffte es dennoch dort aufs College und war bereit alles zu tun, um nicht wieder nach Polen zurück zu müssen. In den Staaten lebte sie bei einer sehr netten Familie und betreute dort 2 bezaubernde Mädchen im Alter von 3 und 5 Jahren. Als die Eltern “herausfanden”, dass sie lesbisch ist, setzten sie sie vor die Tür. Sie hatten Angst um ihre Kinder. Das Mädel kam für einige Tage zu meiner Familie und mir, bevor sie eine neue fand, die Toleranz nicht nur predigte, sondern auch lebte.

Welche Vorurteile machen euch das Leben schwer?

Category: MegLosophie
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20 Kommentare

  1. vorurteile machen mir selten das leben schwer … es ist eher die unfähigkeit einer großen anzahl von menschen, ihr eigenes hirn zu benutzen, um sich ein offenes, wertfreies bild der welt und ihrer vorgänge zu machen. :aua:

  2. … und genau DAS ist ein Vorurteil: Die Unfähigkeit, “ihr eigenes hirn zu benutzen, um sich ein offenes, wertfreies bild der welt und ihrer vorgänge zu machen” :)

    Stößt Du auf keine Vorurteile?

  3. *seufz* traurig so etwas zu lesen. Ich verstehe nicht warum im Jahr 2008 Homosexualität immer noch als Art Krankheit betrachtet wird. Zumindest der “Komerz” hat ja das schwule Paar als Konsument durchaus zu schätzen gelernt. Keine Kinder, meist Einkommenstark stellen Sie ja eine optimale Zielgruppe da.

    Letztendlich ist es aber egal ob gegen Schwule,Lesben,Juden,Türken, Andersdenkende, alles gleich schlimm. Einfach mal darüber nachdenken, mann würde aufwachen und wäre selber einer - und genauso sollten man seine Mitmeschen auch behandeln. Natürlich gibt es überall schwarze Schafe. Aber im Jahr 2008 sollte Tolleranz doch einfach groß geschrieben werden. Und zur Kirche, speziell zur katholischen sage ich jetz lieber nix…. :vogel:

  4. meinst du bei mir selbst, oder ob ich ihnen begegne? …letzteres passiert mir genauso, wie jedem anderen und es gefällt mir nicht. manchmal erwische ich mich dabei, selbst zu urteilen, bevor ich die geschichte kenne. allerdings versuche ich dann, mich selbst möglichst schnell zu besinnen, und das ganze noch einmal objektiv zu betrachten.

  5. @crosa: von der kirche sollten wir wirklich besser nicht anfangen … könnte sein, dass ich mir damit selbst den tag ruiniere!

  6. @ Crosa,

    “Einfach mal darüber nachdenken, mann würde aufwachen und wäre selber einer”

    - oh nein! Das wäre schrecklich ;)

    Mal im ernst: Die katholische Kirche ist ein sturer Esel, welcher allen anderen verbietet, was er in den “eigenen Reihen” toleriert. Gott liebt uns alle - es sei denn, wir sind schwul, lesbisch oder vögeln vor der Hochzeit. Was für ein Schwachsinn. Mir hat mein Kommunions-Pfarrer gesagt (nachdem ich ihn jeden Tag nervte): Gott liebt JEDEN Menschen, egal ob er 3 Arme oder 2 Nasen hat.
    Dazu muß man sagen, wir lebten nicht weit von Tchernobyll entfernt :flenn:

    @ Mirco, Objektivität ist das Stichwort … !

  7. Liest sich, wie aus einer anderen Welt. Die homosexuellen Männer werden doch eher als Trendsetter vergöttert. Siehe hier .

    Die gleichgeschlechtlich orientierten Frauen sind merkwürdigerweise uninteressant und taugen offensichtlich nur für Männerphantasien. Komisch.

    Vorurteile? Werde ich zwar nicht direkt mit konfrontiert. Zumindest merke ich es nicht. Denke, dass niemand frei davon ist. Ich selber neige dazu, die Menschen beim ersten Treffen grob zu kategorisieren - böse Menschen nennen das Schubladendenken. Mache ich, um mich leichter auf die Menschen einstellen zu können. Würde ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen müssen, dass jeder einzigartig und unvergleichlich ist, würde mein Schädel platzen. Allerdings versuche ich, die Menschen nicht in der jeweiligen Schublade festzuhalten, in die ich sie einsortiert habe, sondern zu berücksichtigen, dass sich jeder Mensch im Lauf des Lebens verändert.

  8. Ich habe nachgedacht und mir will einfach kein Vorurteil einfallen das mich persönlich trifft und arg stört. Was mich aber tatsächlich aufregt sind Vorurteile im allgemeinen. Menschen die Vorurteile haben kann ich nicht leiden und meide ich wie die Pest. Es gibt ein sehr schönes Buch von Peter Ustinov “Achtung, Vorurteile” Lesebefehl!

  9. Ich habe sicherlich auch einige Vorurteile, aber dass man Homosexualität als Krankheit ansieht, ist für mich krank. Da kann ich echt nur den Kopf schütteln. Ich bin zwar auch katholisch (trotz Kirchensteuer), aber zum Glück nicht in Polen. Meine Mutter und sogar meine Oma sind da viel lockerer. Meine Oma sagt immer: “Hauptsache glücklich. Und nie schlagen lassen.” Das ist ihre größte Angst :)

  10. Frau W., in einem Punkt schliesse ich mich Ihrer Antwort an: Niemand ist frei von Vorurteilen. Wir würden uns wundern, auf welchen und wie vielen Gebieten wir welche haben, wenn wir jemanden hätten, der uns mal einen Tag lang begleitet und darauf achtet.
    Und was die Vorurteile der katholischen Kirche angeht: Leider teilt mein Vater diese zu 150%, Sie können sich vielleicht vorstellen, wie nervenaufreibend das sein kann.

    @ Gespenst - Du hast keine Vorurteile?

    @ James, mal etwas OT: Was macht Dich katholisch, bzw. warum bist Du es?

  11. :mrgreen: ich weiß, was du meinst. ich bin getauft, ich bin zur kommunion gegangen und war sogar messdiener. bin aber nicht mehr gefirmt worden. heute bin ich es nur noch auf dem papier. irgendwie. das problem ist: ich kann nicht aus der kirche austreten. verrückt, oder? ich kann einfach nicht. und ich weiß nicht warum. ich war jahrelang nicht in der kirche. ich find den papst doof. aber ich schaffe es einfach nicht, mich ganz von dem verein zu lösen.

  12. WOW! All das habe ich auch, sogar mit Firmung und Kind Marias mit schicken, hellblauen Umhängen und sowas.
    Allerdings habe ich mir irgendwann gesagt: Der Glaube … sitzt nicht in der Kirche, wird nicht mit der Steuer manifestiert, sieht nicht aus wie ein alter Mann mit langem Bart - der Glaube gehört mir. Und dafür brauche ich diese Institution nicht, nicht diese Weltmacht, nicht diese korrupte, politisch orientierte Wirtschaftsmacht, die mit dem Glauben an sich kaum noch etwas zu tun hat …

  13. Ich glaube, keiner kann sich frei von Vorurteilen sprechen. Jeder hat welche. Wie stark dieser “Wesenszug” dann das Leben bestimmt, kann aber jeder für sich selbst entscheiden.
    Ich werde oft mit Vorurteilen konfrontiert, denn ich habe kein Ideal-Gewicht. Da werde ich dann zur “Dummen Dicken” abgestempelt. Das nervt. Genauso nervt die Kath. Kirche mit ihren dummen und eingestaubten Parolen.

    Manchmal ertappe ich mich auch dabei, wie ich mir über einen Menschen ein “Urteil” bilde, bzw. ihn mit einem “Vorurteil” belege (ich denke da gerade an dumme Blondinen und rückwärts einparken)… Aber ich arbeite daran! Manchmal wird allerdings auch Vorurteil mit Menschenkenntnis verwechselt.
    Aber Homosexualität als eine Krankheit zu bezeichnen ist nun wirklich tiefstes Mittelalter.

  14. 14
    Schneegespenst 
    Freitag, 27. Juni 2008

    Ich weiß nicht? Gegen was sollte ich sie haben? Ich mache wohl auch meine Späße zum Beispiel, das alle Polen klauen *lach* aber ich glaube das nicht wirklich. Es gibt Sachen die ich daneben finde. Wie auch die Kirche. Aber das ist kein Vorurteil. Erstmal sind wir alle Menschen. Egal was wir tun, denken, fühlen….Man sollte sich auf der Ebene Mensch begegnen, dann gäbe es praktisch keine Vorurteile. Mir ist egal, wie einer aussieht, was er arbeitet, anzieht. Welche Farbe und Herkunft er hat. Natürlich mache auch ich mir ein Bild von einem Mensch, aber das ist nicht in Stein gemeiselt. Ich lerne kennen, schaue, höre, bilde mir eine Meinung, ändere sie vielleicht wieder, mag den Mensch oder nicht. Aber das ist normal und hat auch nix mit Vorurteilen zu tun. Ich behaupte jetzt einfach mal, das ich keine bewußten Vorurteile haben. Vielleicht schleichen unbewußt ein paar herum, wenn ich sie finde töte ich sie.

  15. tja… über die vorurteile mit denen ich ab und an zu kämpfen habe hast du ja ausgiebig geschrieben *seufz* denn nicht nur in polen gibt es so verbohrte menschen sondern auch hier :roll:

  16. Ich behaupte auch, dass niemand frei von Vorurteilen ist, wenn er ganz ehrlich darüber nachdenkt.

    Die Sache mit den Vorurteilen bzgl. der Homosexualität erschreckt mich allerdings. Allerdings kann ich nicht wirklich viel dazu sagen. Ich lebe in einer Stadt, die einen schwulen Bürgermeister hat und die Toleranz wird sehr groß geschrieben. Zumindest wagt niemand, öffentlich etwas dagegen zu sagen.

    Was in den Köpfen einiger “verbohrter” Menschen vorgeht, möchte ich mir nicht vorstellen. Mir reicht es schon, mit der Weltanschauung meines Schwiegervaters konfrontiert zu werden und bei der Vorstellung, dass mehr Leute so “gestrig” denken, bekomme ich Angst.

  17. Vorurteil ist ein Urteil über eine Sache, Person oder Personengruppe, das auf einem ungeprüften „Vorwissen“ beruht. Da keine Überprüfung an objektiven Tatbeständen stattgefunden hat, kann das Vorurteil niemals Wahrheitsanspruch erheben. Intoleranz und Unkenntnis sind häufig die Grundlage von Vorurteilen, z. B. gegenüber soziokulturellen und rassischen Minderheiten. Vorurteile führen nicht selten zur Diskriminierung von Fremdem und Andersartigem. Sie dienen der Fixierung der eigenen sozialen Stellung und damit auch dem Abbau von Unsicherheit.
    In der philosophischen Hermeneutik gelten Vorurteile als etwas Unvermeidbares, da sie als Vorverständnis vielfach auch das Verstehen einer Sache ermöglichen. Sie bedürfen allerdings der Korrektur durch das methodische Wissen.
    © Wissen Media Verlag

    Ich mag die Hermeneutik.
    Vorurteile zu haben ist etwas menschliches, davon bin ich überzeugt. Tiere haben sowas nicht. (Wobei mich jetzt sicherlich alle Katzenbesitzer eines Besseren belehren möchten, hm? Quatsch, nur eine rhetorische Frage.)
    Ich glaube weiterhin, dass es prinzipiell nicht schlimm ist, Vorurteile zu haben, denn sie drücken manchmal auch eine Art Unsicherheit aus, wenn man nicht weiß, wie man etwas zu werten hat, man versucht sich damit zu schützen, indem man eine Meinung definiert und diese vor sich stellt. Das ist auch ok. Was nicht ok ist, wenn man nicht in der Lage ist, seine Einstellung/Definition zu überdenken, in Frage zu stellen und ggf. zu korrigieren.

  18. Meg & Little-James, seit dürfen denn in der kath. Kirche auch Mädels den Messdiener stellen? Ich erinnere mich, wenn auch dunkel, das das in meiner Gemeinde nicht möglich war. Boah, jetzt bekomme ich wieder Pickel, weil ich an meine (kurze) Zeit als Messdiener erinnert wurde.

    Leider bin auch ich nicht Vorurteilsfrei, auch wenn ich versuche das nicht zu sein.
    Sehe ich z.B. Jugendliche mit ihrer derzeit typischen Kluft (Hosen bis auf die Knie hängend, Deppenmützchen oder Baseballcap, und irgendwie auf Rapper gedrillt), dann kommt mir unweigerlich der Gedanke das die “obercoolen” nicht viel im Kopf haben… und wenn sie dann den Mund aufmachen, wird das leider auch bestätigt.

  19. lieber andi :) ich werde versuchen dir zu helfen deine vorurteile ein wenig abzubauen ;) ich laufe nämlich auch ab und an so rum :mrgreen: alledings weiss ich dass ich was im kopf habe und steh ja auch mitten im berufsleben.
    ich hoffe, ich konnte dir ein wenig behilflich sein :cool:

  1. [...] zum Eintrag “Vorurteile” bei Meg frage ich mich jetzt gerade, ob es ein Vorurteil ist, Menschen angesichts ihrer Kleidung bestimmten [...]

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